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Die härtesten Argumente gegen legales Gras – Und wie man sie widerlegt

Die härtesten Argumente gegen legales Gras – Und wie man sie widerlegt
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In jeder Legalisierungsdebatte gibt es häufig angeführte Pro- und Contra-argumente. Im Falle der Cannabis-Legalisierung sind die Gegenargumente jedoch ausnahmslos widerlegbar. Wir haben euch die sinnvollsten und sinnfreisten Begründungen des Gras-Verbots, und deren Entwaffnungs-rezept als mundgerechte Häppchen vorbereitet. Damit gewinnt ihr die nächste Diskussion mit den (Groß-)Eltern ganz bestimmt.

Das Ding mit der Frau Mortler

„Weil Cannabis eine illegale Droge ist. Punkt.“

No shit, Sherlock. Dieses glorreiche Stück Zitat-Gold stammt von Marlene Mortler, bis vor kurzem langjährige Drogenbeauftragte der deutschen Bundesregierung. Dass man Dinge nicht mit sich selbst begründet, hat sie wohl noch nicht mitbekommen. Der sogenannte Zirkelschluss ist eine verbreitete Form des Logikfehlers, und verdient abgesehen von einem Schmunzeln eigentlich keine weitere Beachtung. Leider kann er hier jedoch stellvertretend für Frau Mortlers berufliche Kompetenz gesehen werden: Die gute Frau saß nämlich nicht nur Logikfehlern auf, sondern war und ist auch auffallend schlecht informiert. Kein Wunder: Wer sich bei rechtlichen Fragen zum eigenen Fachbereich argumentativ im Kreis dreht, ist offenbar nicht zu ernsthafter Diskussion bereit und scheint auch nicht ganz verstanden zu haben, wie Gesetze funktionieren: Illegale Dinge sind illegal, weil es Gesetze dagegen gibt, und diese Gesetze müssen grundsätzlich immer über eine verhältnismäßige und sachgemäße Begründung verfügen. Illegalität ist dann die Folge, nicht aber die Ursache eines Verbotes.

Das Ding mit der Gesundheit

Das am häufigsten angeführte Argument, gegen die Legalisierung von Cannabis, ist wahrscheinlich auch das einzige halbwegs sinnvolle. Die Suchtgefahr und der Status Marijuanas als Einstiegsdroge gelten als Kern aller Bemühungen, die Prohibition aufrechtzuerhalten. Diverse Studien zeigen jedoch, dass Cannabis weitaus weniger süchtig macht, als etwa Zigaretten oder Alkohol, und auch die körperlichen Auswirkungen sind um ein vielfaches weniger gefährlich, sterben doch jährlich Millionen Menschen aufgrund von Alkohol oder Tabak, während es keinerlei zuverlässig dokumentierte Todesfälle durch Marijuana gibt.
Die Risiken von Cannabis für die Psyche sind zwar nicht zu unterschätzen, kommen jedoch dem aktuellen Konsens zufolge nicht von der Pflanze selbst, sondern treten im Zusammenspiel mit genetischen Prävalenzen auf.
Zudem sind Hilfestellungen für Erkrankte durch Stigma und Kriminalisierung stark erschwert, und die verbotsbedingte Situation des Marktes macht effektive Qualitätskontrollen unmöglich.


Das Ding mit der Kultur

Ein selten angeführtes, jedoch oft unterbewusst vorherrschendes Argument gegen das grüne Gold ist die scheinbare Inkompatibilität mit den hiesigen Kulturen. Insbesondere in Bayern ist das Stigma besonders groß: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht, also sind alle Kiffer Hippies, mit Guevara-Shirts und Dreadlocks. Ein völlig willkürliches und unbegründetes Bild, insbesondere wenn man bedenkt, dass Cannabis und Hopfen ebenso eng miteinander verwandt sind, wie Äpfel und Birnen. Streng genommen ist Hopfen sogar eine Hanfsorte, was unweigerlich Bier zu einem legalen und traditionsreichen Hanfprodukt macht. Und damit nicht genug: Von der Antike, bis ins frühe 20. Jahrhundert, war Cannabis in Europa eine der wichtigsten Nutzpflanzen, und hektarweise davon seit dem frühen Mittelalter auch in Bayern ein völlig normaler Anblick.

Das Ding mit dem bösen schwarzen Mann

Den größten Aufreger zum Thema haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben. Der US-amerikanische Diplomat Harry J. Anslinger setzte zwischen 1937 und 1961 Cannabisverbote auf diversen Ebenen durch, von den USA bis hin zu den Vereinten Nationen. Da es den Anstrengungen an stichhaltiger Argumentation fehlte, griff man auf propagandistische Mittel zurück: So wurde etwa der Film „Reefer Madness“ (1936) eigens dafür produziert, Marijuana mit Gewaltkriminalität und Wahnsinn in Verbindung zu bringen. Zudem war es in der damals noch verstärkt rassistisch geprägten Gesellschaft ein leichtes, wechselseitige Stigmata zwischen Cannabis und Schwarzen, sowie Latinos aufzubauen. Hierfür wurde das Gerücht verbreitet, farbige Männer würden im Marijuanarausch weiße Frauen vergewaltigen.

Da fragt man sich, was dieser Anslinger wohl geraucht hat.

Titelbild © LexScope – Unsplash

Kommentar(2)

  1. Stichwort Psychose. Ich hab in dem Artikel vermisst, dass zwar ein Kausalzusamenhang zwischen Psychose und Cannabiskonsum exzistieren soll, aber laut aktueller Studienlage nicht eindeutig zuzuordnen ist, ob Menschen mit Psychose eher zu Cannabis greifen oder ob Cannabis bei Menschen ohne Psychose als Auslöser fungiert. Jedenfalls habe ich dazu keine Beweise gefunden, die Cannabis als Auslöser für Psychosen (für jedermann) eindeutig bestätigt. Begünstigen, wenn eine genetische Wahrscheinlichkeit für eine Psychose besteht, ja. Was könnt ihr dazu sagen? 🙂

  2. Hallo Tom,

    Erstmal danke für deinen Kommentar und sorry für meine späte Antwort.

    Bestimmt nutzen viele Menschen mit Psychosen Cannabis, um sich zu beruhigen. So kann etwa CBD bei Angstzuständen und Panikattacken eine lindernde Wirkung entfalten. (Siehe hier und hier) Selbstverständlich ist dies von Person zu Person unterschiedlich und noch nicht ansatzweise genügend erforscht, um von Heilung oder Arznei zu sprechen.

    Allgemein lässt sich wohl sagen, dass die menschliche Psyche viel komplexer und facettenreicher ist, als der Körper und selbst verschiedene Körper oft unterschiedlich auf die gleichen Wirkstoffe reagieren. Auch ist bekannt, dass es genetische Prävalenzen gibt, die eine Psychose begünstigen können. Das Risiko einer Psychose ist dann familiär bedingt erhöht. Ist eine solche Prävalenz vorhanden, können psychoaktive Wirkstoffe, wie etwa THC, das Risiko einer psychischen Erkrankung erhöhen.
    Dein Gedanke hierzu ist absolut berechtigt. Ich habe dazu eine Studie gefunden, die sich mit genau dieser Fragestellung beschäftigt. Darin wurde erforscht, in welche Richtung der Kausalzusammenhang zwischen Psychosen und Cannabis besteht, mit der Erkenntnis, dass jugendliche Langzeitkonsumenten häufiger an Psychosen leiden, je länger und häufiger sie Cannabis konsumieren, und vor Beginn des Konsums seltener von psychischen Problemen berichteten als danach.
    Mein Fazit wäre, dass man die Wirkung von Cannabis weder verteufeln, noch unnötig glorifizieren oder beschönigen sollte. Einerseits kann es vielen Menschen helfen, in diversen Formen, und die meisten Erwachsenen sind selbst in der Lage, eine qualifizierte Entscheidung in Bezug auf den Konsum zu treffen. Andererseits kann man Risiken für die Psyche nicht gänzlich ausschließen, weshalb man Gras – ebenso wie andere Drogen, einschließlich Alkohol – nicht im Übermaß konsumieren sollte, sondern wenn überhaupt in wohl überlegter Menge und Frequenz. Zudem spielen das Set, also der körperliche und geistige Zustand zum Zeitpunkt des Konsums, sowie das Setting, also das Umfeld, Ort, Zeitpunkt und Atmosphäre, eine nicht zu verachtende Rolle. Des weiteren hat die Quelle des konsumierten Produkts vertrauenswürdig und sicher zu sein, denn beim Konsum von gestrecktem oder überzüchtetem Gras ist die Wirkung unvorhersehbar.
    Ich persönlich sehe in Cannabis mehr Chancen als Gefahren, für die Menschen und für die Gesellschaft als ganze. Jedoch möchte ich Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, wie paranoider Schizophrenie oder manischer Depression, dringend von jedwedem unbedachtem Konsum abraten, auch da ich selbst Menschen kenne, die aufgrund der Wirkung von THC in Behandlung waren. Einer Legalisierung für mündige Erwachsene sollte dies jedoch nicht im Wege stehen, solange sie mit einer sinnvollen Aufklärung einhergeht, wie die Warnungen auf Zigarettenschachteln und beim Glücksspiel, sowie die Packungsbeilagen von Medikamenten.

    Ich hoffe ich konnte deine Frage soweit beantworten.

    Gruß,

    Ralf

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