Home Grüne Seiten Politik Juicyfields: Ein weites (Cannabis-) Feld für Betrug
0

Juicyfields: Ein weites (Cannabis-) Feld für Betrug

Juicyfields: Ein weites (Cannabis-) Feld für Betrug
0

Wer auf Cannabis steht, der kennt auch Juicyfields, das Cannabis-Investment mit der nicht ganz so dezenten Lifestyle Note. Juicyfields lockt die Presse gern mit edlem infused Dinner, protzt auf Messen mit Lamborghinis samt Firmenlogo und hat mit seiner Online-Plattform tausende Kleinanleger angezogen. Doch diese können sich nun nicht mehr einloggen – Was ist da los?

Der Supergau für viele Kleinanleger

Seit 2020 bot Juicyfields aus seiner Online-Plattform das sogenannte E-Growing an, wobei sich Investoren sich an Anbau, Ernte und Verkauf von medizinischem Cannabis beteiligen. Bei Renditen deutlich über 100% brannten bei dem ein oder anderen Anleger wohl die Sicherungen durch. Diese hätten ihn vor unübersehbaren Risiken warnen können. Wie diese hohen Renditen zustande kamen, diese Frage wollte Unternehmenssprecher Daniel Gauci schon im letzten Jahr nicht beantworten. „Die Menschen sind es einfach nicht mehr gewöhnt, gute Gewinne zu machen“, verteidigte sich noch Anfang März der damalige Unternehmenssprecher und „Innovationsbeauftragte“ von Juicyfields, Daniel Gauci, auf DW-Fragen (DW – Deutsche Welle) nach dem Geschäftsmodell.

Seit Juli können sich die Anleger aus Afrika, Europa, Asien und Lateinamerika nun nicht mehr in ihre Konten auf der Unternehmensseite einloggen, um dort Pflanzen zu kaufen, verkaufen und in den virtuellen Gewächshäusern zu verwalten. Doch mehr noch; inzwischen ist sich niemand mehr sicher, ob diese Pflanzen jemals existiert haben. Kurz darauf verschwanden auch die Inhalte auf Social Media, während die Konten bestehen blieben. Da dämmerte auch den Anlegern, wovor Experten schon lange gewarnt hatten – Juicyfields war ein Komplettbetrug – das Geld ist weg! Was den Schaden betrifft, sind die Experten noch uneins. Er liegt jedoch definitiv irgendwo zwischen einer zweistelligen Millionensumme und mehreren Milliarden.

Juicyfields: Abzocke mit System

Juicyfields hat, wie so viele andere Unternehmen derzeit, auf den Green Rush gesetzt. Menschen wollen einfach gerne Teil dieses beinahe weltweiten Cannabisaufschwungs werden, und genau darauf hat das Marketing gezielt. Alles locker, alles lustig, und wir verdienen uns alle (räusper) noch einen goldenen Hintern dabei – Partys wurden geschmissen, Influencer engagiert. Die 500.000 registrierten Nutzer sind nun allesamt Opfer dieses ausgefuchsten Marketings geworden. Jeder von ihnen hatte zwischen 50 und 180.000 Euro investiert. Da die Auszahlung eine ganze Weile problemlos lief, investierten immer mehr Menschen in das Unternehmen. Auch Kleinanleger, die eine gute Rendite erzielt hatten, wurden unvorsichtig, und investierten mehr und mehr. Manche von ihnen, und das ist besonders fatal, nahmen für das Investment sogar Kredite auf. Diese und viele andere Geschädigte liest man momentan in Foren und auf Messengerdiensten, in denen sie sich organisiert haben, wie sie verzweifelt, wütend und hilflos diskutieren.

Dimensionen unklar

Ob der Juicyfields-Fall in seiner Dimension an den kürzlich bekannt gewordenen Fall der “Kryptoqueen” Ruja Ignatova heranreicht, die nach einem Krypto-Betrug mit mehr als 4 Milliarden Dollar durchgebrannt ist, ist unklar. Eine Anwaltskanzlei in Spanien, die von Juicyfileds geschädigte Kleinanleger vertritt, schätzt, dass über die E-Wallets auf der Onlineplattform ca 9 Milliarden Dollar liefen, was zwar nicht den Schaden beziffert, da wie gesagt auch Auszahlungen stattfanden, aber es gibt einen ungefähren Geschmack vom Ausmaß des Betrugs. Sowohl die Kryptoqueen, als auch Juicyfields, bediente sich beide dem Schneeballsystem. Sie nutzen das Geld der Neukunden also für anfallende Auszahlungen. Auch Multi Level Marketing kam zum Einsatz, wobei Anleger für das erfolgreiche Werben von Neukunden prämiert werden.

Es gab genügend Red Flags, um wach zu werden, doch viele Menschen wollten so gern an den Traum vom grünen Geld glauben. So warnte die spanische Aufsichtsbehörde bereits sehr früh vor Juicyfields. Und auch die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin warnte Anfang dieses Jahres, bevor sie dem Unternehmen im Juli den Verkauf von Pflanzen in Deutschland verbot. Dieses hielt sich allerdings nicht daran, wie das Rechercheteam von DW feststellte. Wohl war es aber der Startschuss, seine Sachen zu packen, und zu verschwinden. Man hatte die Behörden schon überstrapaziert, und nun den Absprung noch rechtzeitig geschafft. Zum Leidwesen von 500.000 Kiffern.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.