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420: Kiffen vor der Parteizentrale

420: Kiffen vor der Parteizentrale
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Am Mittwoch den 20.4. war es wieder so weit – weltweit feierten Kiffer ihren seit den 70er Jahren bestehenden Aktionstag. 420 ist ein Code, der aus einer charmanten Geschichte um eine Schatzkarte und ein Cannabisfeld vor über 50 Jahren in den USA entstanden ist. Inzwischen hat sich dieser Code in vielen Ländern etabliert und da das Datum 20.4. in den USA 4/20 geschrieben wird, ist dieser Tag zum Aktionstag der gesamten Szene mutiert.

420 Demo vor dem Brandenburger Tor

In Berlin fanden am Mittwoch gleich zwei Veranstaltungen parallel statt, von denen zumindest eine trotz des Aprilwetters gut besucht war. Um 13 Uhr startete die Demo mit dem Motto “Entkriminalisierung sofort” am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor mit, anstatt wie angemeldet 500 Teilnehmern, mit 1400. Unter ihnen waren viele wichtige und bekannte Gesichter, wie zum Beispiel Jugendrichter Müller und der Polizeipräsident Hubert Wimber, welche beide auch auf der Bühne zu hören waren. Auch die Politik meldete sich zu Wort, so gab es Redebeiträge von Ates Gürpinar, dem drogenpolitischen Sprecher der Linken, Sonja Eichwede, rechtspolitischer Sprecherin der SPD und Maria Krause, der politischen Referentin des DHV.

Den O-Ton der Demo griffen allerdings Müller und Wimber am besten auf und gaben ihn auch im Tagesspiegel-Interview vor der Kamera noch einmal überzeugend wieder. So forderte Richter Müller abermals mit Nachdruck eine schnellstmögliche Legalisierung, und vor allem eine sofortige Entkriminalisierung, durch Ergänzung des *Paragraphen 29 BtmG. Er verstehe nicht, wo das Problem sei, bei einem Gesetz, das nicht einmal durch den Bundesrat müsse (…was die Legalisierung sehr wohl muss.), so Müller. Diesen Forderungen schloss sich Polizeipräsident Wimber an, und ergänzte sie durch die Aussage, die Prohibition habe ausschließlich negative Folgen – deshalb sei er heute da, so Wimber. Es müsse Schluss sein, sagt er weiter, mit der Kriminalisierung von jährlich 180.000 Menschen, die nichts weiter getan hätten, als Cannabis zu konsumieren.

Musikalischer Support und Joints vor dem Willy-Brand-Haus

Abgesehen von dem politischen Sektor, gab es auch gehörig was auf die Ohren, und zwar von Maama Ganja, Antifuchs und dem Plusmacher. Gerade bei dem durchschnittlich sehr jungen Publikum waren die Acts sicher ein großer Faktor sich auch bei Nieselregen unter die Demonstranten zu mischen, und die Stimmung sprach für sich. Wenn die Musik aufhörte, lichtete sich auch die Demo deutlich – es braucht also mehr als nur politische Redebeiträge, um viele Menschen zu erreichen, und Aktivismus hat viele Gesichter. Pünktlich um 4:20 Uhr zündete sich der Großteil der Teilnehmer direkt vor dem Willy-Brandt-Haus, welches die SPD-Parteizentrale beherbergt, einen Joint an.

Die Veranstalter hatten dazu aufgerufen, jedoch auf ihrer Seite ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die nur für Patienten mit Rezept legal sei; alle anderen mögen sich doch bitte zu diesem Zweck eine Attrappe bauen. Ob dieser Hinweis befolgt wurde, oder nicht, steht in den Sternen; Festnahmen wegen einiger Btm-Delikte gab es jedenfalls laut Polizeiaussagen. Zu Anzahl und Art der Delikte wollte die Polizei jedoch keine Angaben machen.

Smoke-In im Görli

Parallel zur 420 Demo gab es, wie alljährlich, im Görlitzer Park ein Smoke-In, zu dem von erwarteten 400 Teilnehmern allerdings nur 50 erschienen. Unter dem Motto “Stoppt das Strecken – Versorgung jetzt!” gab es auch dort Musik, und durch eine Anfrage auf allerletzten Drücker auch einen Redebeitrag eines Grünen-Politikers. Alles in allem dürfte die Veranstaltung die Mühe leider kaum wert gewesen sein, und man hätte wahrscheinlich besser daran getan, die Veranstaltungen zusammenzulegen, um den größtmöglichen Impakt zu haben. Doch auch in der Cannabisbranche gibt es unterschiedliche Strömungen, die hier vielleicht einfach nicht gemeinsam fließen wollten. Alles in allem war die Demo ein Erfolg, und da die Linken von der Bühne haben verlauten lassen, mal wieder einen Antrag zu stellen, ist die Legalisierung während der Demonstration vielleicht sogar in greifbare Nähe gerückt.

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