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Drogen- und Suchtbericht 2020: Daniela Ludwig macht klare Ansagen

Drogen- und Suchtbericht 2020: Daniela Ludwig macht klare Ansagen
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Am 26. November stellte die Drogenbeauftrage Daniela Ludwig den neuen Drogen-und Suchbericht für das Jahr 2020 vor. In der Pressekonferenz ging sie auf die aktuellen Trends und Zahlen zu Tabak, Alkohol, Cannabis, Glücksspiel und digitale Medien ein, sowie auf die Ziele für das kommende Jahr. Fokus ist erneut unter anderem die Cannabisprävention bei Jugendlichen. Scharfe Kritik hagelte es von FDP, Grüne und Linke.

Erneut thematisiert Ludwig die Cannabisprävention bei Jugendlichen. Wie schon mehrmals in diesem Jahr erregt sie damit Aufsehen, wie auch mit ihrer fragwürdigen Aussage Cannabis sei kein Brokkoli oder ihrer Aufklärungs-Kampagne „Hände weg vom Joint – Kiffen ist nicht cool. Es ist cool, nicht zu kiffen“. Mit ihrer jetzt neuen Kampagne „Mach Dich Schlau“ will sie plakativ gegen den Cannabiskonsum bei Jugendlichen vorgehen und vermehrt auf den sozialen Medien über die Risiken von Cannabis aufklären. „Während im Jahr 2020 so wenig Jugendliche rauchen und Alkohol trinken wie noch nie seit Beginn unserer Erhebungen, ist der frühe und regelmäßige Cannabiskonsum immer deutlicher zu einem Problem geworden“.

Heftige Kritik an dem neuen Drogen- und Suchtbericht 2020

Wenig Verständnis für Ludwigs Bericht zeigt auch Grünen-Politikerin Kirsten Kappert-Gonther: „Der Jahresbericht zeigt, dass die Drogenpolitik der Bundesregierung ihr Ziel verfehlt“. Allein in den letzten vier Jahren ist der Cannabiskonsum bei jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren um fast 60 Prozent gestiegen. Nichtsdestotrotz versperrt sich die Drogenbeauftragte vor diesen Tatsachen und macht unbeirrt weiter wie bisher. Der erhobene Zeigefinger in ihrer Präventionskampagne werde genauso verstauben wie zahlreiche zuvor. 

Linke fordert sofortige Legalisierung von Cannabis

Niema Movassat, Sprecher der Linken, erklärte, dass Prävention natürlich wichtig sei, aber umso mehr müsse ein verantwortungsvoller Umgang mit Cannabis und illegalen Drogen aufgezeigt werden. Außerdem dürften die negativen Aspekte der Repressionspolitik nicht einfach ausgeblendet und vertuscht werden. „Wir müssen aber vor allem den Besitz geringer Drogenmengen entkriminalisieren, weil Repression keine Hilfe ist.“

Ludwig zur Legalisierung von Cannabis

Zu diesem Thema hat die Bundesbeauftragte eine klare Meinung. Abermals lehnt sie eine Legalisierung von Cannabis vehement ab und meint: „Wir haben wirklich viel zu tun. Zu viel, um uns in kraftraubenden Debatten zur Legalisierung eines Stoffes zu verzetteln“. Dazu erntete sie harte Kritik von der Opposition. FDP-Politiker Wieland Schinnenburg nennt den Bericht sogar „Armutszeugnis“ und nannte den Drogen- und Suchtbericht „einfach nur peinlich“. Es fehlen valide Daten und ausgearbeitete Konzepte der Regierung. Forderungen werden laut, die Cannabis Politik endlich neu auszurichten, um so auch vor allem Jugendliche zu schützen, die sich bei Dealern illegale Drogen beschaffen. Auch spricht Schinnenburg von einer kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene.

Erst vor Kurzem debattierte der Bundestag live über den möglichen Umgang mit Cannabis in Deutschland. Alle Positionen und Ergebnisse findet ihr in unserem Artikel.

Weitere Aspekte des Jahresberichts

Sucht in Zeiten von Corona

Daniela Ludwig meint: „Die Corona-Pandemie stellt alle Akteure vor immense Herausforderungen, schafft neue Suchtgefahren und erfordert schnelle und wirksame Entscheidungen. Elementar wichtig ist, dass Beratungsstellen, niedrigschwellige Hilfsangebote und Suchtkliniken für alle Bedürftigen offenbleiben. Denn der Bedarf ist größer denn je!“ 

Alkohol & Tabak

Der Konsum von Alkohol und Tabak sei in diesem Jahr bei jungen Erwachsenen so niedrig wie noch nie gewesen. In den kommenden Jahren plant die Drogenbeauftragte weitere Schritte gegen das Rauchen, wie beispielsweise neue Werbegrenzen für Tabakprodukte und E-Zigaretten. „Wir haben mittlerweile mehrere wissenschaftliche Belege dafür, dass Raucher sich einem doppelten Risiko für einen schweren Covid-19 Verlauf aussetzen.“ Jedes Jahr sterben ca. 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, was rund 13 Prozent aller Todesfälle in Deutschland ausmacht.

Sucht durch Medien

Der Bericht geht ebenfalls auf die steigende Zahl der medienabhängigen Jugendlichen in Deutschland ein. Im Zuge der Corona Pandemie nahm vor allem die Social Media Nutzung zu und auch die digitale Spielbranche erlebte neue Höchstwerte. Knapp 70 Prozent mehr Zugriffe wurden schon während des ersten Lockdowns verbucht. Ihre Kampagne nennt sich „Familie. Freunde. Follower“, womit sie sich dem Thema Suchtgefahr durch Medien widmet.

Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2020

Knapp 30 Bilder zeigen Ludwig in ihrem Drogen- und Suchtbericht höchstpersönlich, was eher von Selbstdarstellung zeugt als von einem ordentlichen und sachlichen Jahresbericht. Da wäre doch ein Alternativprogramm nicht schlecht, oder? Das gibt es! Eine konstruktiv-kritische Perspektive zeigen der Verein akzept e.V. sowie der Herausgeber Deutsche Aidshilfe. Im Pendant zum Bericht der Bundesbeauftragten veröffentlichten sie dieses Jahr den 7. Alternativen Drogen- und Suchtbericht 2020. Mit dem Motto „Schützen statt Bestrafen“ gehen die namhaften Autoren auf die Frage ein, wie Schäden durch den Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen so gering wie möglich gehalten werden können.

Vielleicht wäre es auch endlich mal an der Zeit, sich die Zahlen anderer Länder anzuschauen, die im Zuge der Cannabis Legalisierung sogar einen Rückgang an Cannabis-konsumierenden Jugendlichen verbuchen können – anstatt sich weiter mit „mehr als peinlichen“ Präventionskampagnen rückständig zu verhalten.

Hier geht es zum vollständigen Bericht: Drogen- und Suchtbericht 2020

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