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Der Repressionskoeffizient: Überraschende Zahlen zu Cannabisdelikten

Der Repressionskoeffizient: Überraschende Zahlen zu Cannabisdelikten
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Deutschland ist im Legalisierungsfieber. Schon seit Jahren hat man immer wieder das Gefühl, man stünde kurz davor, und seit 2017 ist tatsächlich ganz schön was los – wenn auch nicht nur im positiven Sinne. Wie man rein statistisch überprüfen kann, was wo passiert, funktioniert, oder eben nicht, das zeigen uns die Behörden – ihr Tool ist der Repressionskoeffizient.

Was ist der Repressionskoeffizient?

Wenn die Polizei Statistiken zu Drogendelikten erhebt, tut sie das nicht nur quantitativ. Natürlich ist es für Polizei und Justiz unheimlich interessant, um welche Art Delikt es sich handelt und wie häufig das spezifische Delikt festgestellt wurde. Dafür nutzen diese Behörden den Repressionskoeffizienten, welcher angibt wie häufig bestimmte Deliktsarten in bestimmten Regionen, bezogen auf 100.000 Einwohner stattgefunden haben. Somit ist es auch eine qualitative Erhebung.

Diese Delikte sind meist Erwerb oder Besitz kleiner Mengen, und werden als konsumnahe Delikte bezeichnet. Somit kann man sehr detailliert feststellen in welchen Zeiträumen sich Verkauf, öffentlicher Konsum etc. in bestimmten Regionen entwickelt. Dies ist vor allem wichtig wenn man Gesetze anpasst, da man über den Repressionskoeffizienten feststellen kann ob man gesetzte Ziele erreicht hat. Und genau um diese Ziele geht es.

Welche Städte haben den höchsten Koeffizienten?

Es ist schwer zu glauben, doch den ersten Platz belegt nicht etwa Berlin, sondern Bremen. Den zweiten Platz belegt Hamburg, das in den letzten Jahren noch den ersten Platz belegte, danach folgt Thüringen und erst dann die Mutterstadt. Und die Zahlen unterscheiden sich im Vergleich zum Vorjahr signifikant; was also ist los in Bremen?

Kontroverses Bremen – Legalisierung oder Knast?

Natürlich hängt der Koeffizient stark von der Menge der Kontrollen ab, denn diese ist nicht genormt und somit sagt sie oft mehr über die Zahl der Kontrollen, als über die tatsächliche Zahl der Delikte aus. Dafür, dass diese so sprunghaft angestiegen sein sollen gäbe es auch keine Erklärung. Bleibt nur noch die Vermutung, dass jemand in Zeiten einer gescheiterten Prohibition versucht mit Druck sein Bundesland rein zu halten statt neue Wege zu gehen.

Da Bremen als Stadt und als Bundesland auf Platz eins liegt, gibt es dort momentan deutschlandweit offenbar die aktivste Repression. Der Koeffizient stieg in Bremen innerhalb eines einzigen Jahres um mehr als 85% von 506 auf 943, was den stärksten Anstieg unter allen Bundesländern bedeutet. Dies überrascht besonders, da Bremen seit 2017 ein Vorreiter für Modellprojekte zur Entkriminalisierung sein möchte und den ersten Antrag dazu mit Thüringen, welches auch schon länger unter den ersten drei Plätzen der Repressionsliste rangiert, in ebendiesem Jahre im Bundesrat einbrachte.

Im Jahre 2019 war dann der Bundesantrag Bremens zur kontrollierten Abgabe von Cannabis in Planung. Damals hatte man eine neue Regierung aus SPD, Grünen und der Linken im Amt und wollte mit fliegenden Fahnen für Jugendschutz, Entkriminalisierung und Hilfe für Suchtkranke eintreten. Geworden ist daraus nichts und dennoch hört man gerne, dass wir in Deutschland Bundesländer haben, die so liberal und mutig sind…oder? Das fragten sich auch etliche Politikjournalisten und stellten Innensenator Ulrich Mäurer zur Rede. Dieser verfasste eine Pressemitteilung, in der es heißt, es sei im Rahmen der polizeilichen Ausbildung von Schülern Haldenabbau betrieben worden. Sie sollen also große Mengen von Delikten der vergangenen Jahre aufgearbeitet haben und so sei es zu den Zahlen gekommen.

Betrachtet man allerdings die Zahlen der Vorjahre, findet man Bremen dort als Bundesland bereits auch schon auf Platz eins. Wie man es auch dreht und wendet Herr Mäurer ist ein Repressionstreiber aller erster Güte, der 2016 schon verkündete, dass von ihm “kaum Engagement” in Sachen Legalisierung zu erwarten sei. Warum er allerdings gleich gegen die jahrelangen Bemühungen eines gesamten Bundeslandes handelt, weiß wohl nur er selbst.

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