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Thailand: Erster asiatischer Staat legalisiert Cannabis

Thailand: Erster asiatischer Staat legalisiert Cannabis
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Schon am 02.06. berichtete das Handelsblatt das Unglaubliche – die zweitgrößte Volkwirtschaft Südostasiens leitet eine Drogenpolitische Kehrtwende ein. Nachdem es in Thailand, wie in allen asiatischen Staaten, bis vor Kurzem noch drakonische Strafen für Cannabisdelikte gab, beschloss das Parlament im Jahr 2018 den Anbau von 6 Pflanzen pro Haushalt im Jahr zu erlauben. Ab 2021 trat dieses Gesetz in Kraft. Doch was jetzt geschieht, ist an Fortschritt und Konsequenz schwer zu überbieten! Denn seit gestern ist Cannabis in Thailand offiziell legal.

Thailands Wirtschaft angeschlagen

Die Corona-Krise ist auch an Thailands Wirtschaft nicht spurlos vorübergegangen. Die Einreisebeschränkungen haben dem Land zugesetzt, und auch wenn diese nun weggefallen sind, erwartet man für das gesamte Jahr 2022 nicht mehr als 10.000000 Touristen. Das ist etwa ein Viertel der Besucher von vor Pandemiebeginn, doch damit nicht genug. Die Inflationsrate ist mit 3,51% die höchste seit 13 Jahren, und das Wachstum liegt bei nur 3%. Doch Gesundheitsminister und Vorsitzender der Bhumjaithai-Partei, Anutin Charnvirakul, der schon bei den Wahlen die Legalisierung versprach, und im Parlament entscheidend vorantrieb, setzt nun auf kreative Ideen, um die Wirtschaft Thailands wieder in Schwung zu bringen.

Entlastungspaket der besonderen Art

Charnvirakul setzt auf ein Entlastungspaket, dass nicht nur der Landbevölkerung neue Einnahmequellen eröffnen, sondern auch den Tourismus ankurbeln soll – er legalisiert. Doch damit nicht genug; als Starterpaket schenkt er der Bevölkerung eine Million Hanfsamen und gestaltet den Anbau für Privatpersonen so niedrigschwellig, dass eine Registrierung in einer App ausreicht, und los geht’s. Für den kommerziellen Anbau benötigt man eine Lizenz, doch dann kann man, gewerblich wie privat, unbegrenzt viele Pflanzen züchten. Und diese sogar anschließend an die Regierung verkaufen.

Die Pflanzen haben allerdings allesamt einen niedrigen THC Gehalt, und die Herstellung etc. von Extrakten mit mehr als 0,2% THC bleibt nach wie vor verboten. Vizepremierminister Charnvirakul, ja, das ist er ebenfalls, spricht von einem “Startschuss für eine neue Wachstumsbranche und rechnet damit, dass dies den Thais hunderte Millionen Dollar zusätzlich einbringen wird. Außerdem sagt er, die Legalisierung sein eine Win-Win Situation. Die Menschen bekämen Zugang zur Pflanze, und gleichzeitig würde die Wirtschaft angekurbelt. Doch so überzeugt wie der Vizepremier ist in der Regierung nicht jeder.

Cannabis in Thailand: Unklarheiten und Widersacher

Die konservative Regierung Thailands hat wohl den wirtschaftlichen Nutzen einer Legalisierung erkannt, kann sich mit dem Image des Kifferparadises aber so gar nicht anfreunden. Zwar ist es seit 2021 nicht mehr ungewöhnlich, sich einen Iced Cannabis Americano aus dem Kaffeeautomaten zu ziehen, oder im Restaurant ein Curry mit Hanfbeilage zu bestellen. Doch um die Legalisierung nicht an politischen Hardlinern scheitern zu lassen, ist man in einigen Punkten auffallend undeutlich geblieben. Extrakte mit mehr als 0,2% THC zu verbieten, ist beispielsweise nicht besonders sinnvoll, wenn man Blüten mit höherem THC-Gehalt erlaubt. So ist aber bis jetzt die Gesetzeslage, welche wiederum an anderer Stelle, nämlich der Art der Verwendung der Pflanzen, eine große Lücke aufweist. Auch die Regelung, Cannabis solle im Privaten, allerdings zu medizinischen Zwecken, und nicht als Freizeitdroge konsumiert werden, wirft Fragen auf.

Darf man seine angebauten Pflanzen nicht konsumieren, wenn man gesund ist? Ist hier auch Prävention von Krankheiten gemeint? Wer will das kontrollieren? „Solange der Konsum im Privaten stattfindet, sollte es keine Probleme geben“, sagt Arun Avery, Mitgründer der Aktivistengruppe Highland und Mitglied im Cannabis-Forschungskomitee an einem Krebskrankenhaus der Provinz Udon Thani in Thailands Nordosten. Offenbar geht es bei diesem Gesetz also ausschließlich um Öffentlichkeitsarbeit. Ein Problem verursacht diese Politik der Uneinigkeit allerdings doch, erklärt Avery. „Auch für Investitionen großer Unternehmen ist die Lage wohl noch zu unklar“, sagt er. Cannabis-Einzelhandelsketten wie in Teilen der USA wird es in Thailand damit wohl zunächst nicht geben.

Free Cannabis – Free the People

Ein paar findige wie mutige Bauern haben in den letzten Wochen bereits angefangen, Cannabis auf ihren Feldern anzubauen. Nicht ungefährlich, denn das Gesetz war noch nicht in Kraft, und sie somit eigentlich eindeutig Straftäter. Allerdings machte sich niemand die Mühe sie zu verhaften. Ganz anders verhielt es sich mit einer 56-jährigen Frau, die im Besitz einer Cannabispflanze gewesen, und deshalb verhaftet worden war. Die Verhaftung war allerdings nur vorrübergehend; die Polizei stufte sie innerhalb kurzer Zeit als “mit Blick auf die Legalisierung unangemessen” ein, und gab zu, die Beamten hätten ein besseres Urteilsvermögen an den Tag legen müssen. Ist eben keine gute Publicity, wenn man auf kiffende Touristen setzt.

Und als wäre eine Entschuldigung der Polizei, weil sie eine Frau mit Gras festgenommen hat, während es noch verboten war, nicht genug, bringt Thailand nun fertig, wonach in Deutschland schon so lang und laut gerufen wird. In Kürze werden schätzungsweise 4000 Häftlinge, die aufgrund von Cannabisdelikten im Gefängnis sitzen, einfach entlassen. 4000 Menschen, die wieder ein Leben haben, und tausende, deren laufende Verfahren unverzüglich eingestellt werden. Traumhaft.

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