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MPU – Ist das sinnvoll oder kann das weg?

MPU – Ist das sinnvoll oder kann das weg?
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Der Grundgedanke hinter der Medizinisch Psychologischen Untersuchung – kurz MPU – ist in jedem Falle ein sinnvoller. Denn wer berauscht ein Fahrzeug bedient und nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer fahrlässig in Gefahr bringt, der hat im Straßenverkehr nichts verloren. Es ist daher nur angebracht, dass eine solche Person seine Fahreignung durch einen Abstinenznachweis und eine psychologische Begutachtung beweisen muss. 

Doch eben dieses Berauschtsein ist der springende Punkt, weshalb das Konzept der MPU immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt ist. Denn während bei Alkohol der Grenzwert, ab dem eine MPU angeordnet wird, in der Regel bei stolzen 1,6 Promille liegt, sind die Grenzwerte bei anderen Drogen nicht so großzügig.

Cannabiskonsum und Verkehrssicherheit

Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, unter anderem von der Universität Düsseldorf, dem britischen Verkehrsministerium und dem Zentrum für Verkehrswissenschaften, dass Cannabiskonsum eine geringfügigere Gefahr im Straßenverkehr einnimmt und die in Deutschland festgelegten Grenzwerte nicht mit einer tatsächlichen Gefährdung in Einklang zu bringen sind.

Bei Cannabis kann bereits ab 1,0 ng der Führerschein entzogen und eine MPU angeordnet werden. Ein Wert, der auch bei gelegentlichem Konsum noch mehrere Tage nach dem letzten Konsum im Blut nachgewiesen werden kann. Dabei ist definitiv nicht mehr von einer Einschränkung der Fahrtüchtigkeit auszugehen. Bei mehrmaligen Verstößen wegen Cannabis kann der Führerschein sogar entzogen werden, ohne dass die betreffende Person ein Fahrzeug geführt haben muss. Bei illegalen Substanzen (außer Cannabis) reicht bereits der Nachweis über den einmaligen Konsum, ob im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr oder nicht aus, um Menschen die Fahreignung abzusprechen.

Führerscheinentzug als Ersatzstrafe

Cannabis-MPU

Während es sich beim Fahren über 1ng/ml lediglich um eine Ordnungswidrigkeit handelt, die mit einem Monat Fahrverbot belegt ist, wird über das Verwaltungsrecht und durch die MPU der Zeitraum, in dem der Betroffene nicht fahren kann, in der Regel auf ein Jahr ausgedehnt. In dieser Zeit besteht nämlich kein rechtliches Fahrverbot, sondern die Einbehaltung des Führerscheins. Im Endeffekt macht das in den meisten Fällen für den Betroffenen keinen Unterschied. Nur bei Personen die einen EU-Führerschein außerhalb Deutschlands haben spielt das eine Rolle. Denn diesen Führerschein kann einem die deutsche Fahrerlaubnisbehörde nicht abnehmen.

Fragwürdige Methoden der MPU

Nicht nur die horrenden Kosten, die eine MPU verursacht, sondern auch die Methoden zur Nachweiskontrolle der obligatorischen einjährigen Abstinenz sind mindestens fragwürdig. So kann dem Probanden bei einer Haaranalyse beispielsweise der Passivkonsum, wenn Freunde oder Familienmitglieder Cannabis rauchen, zum Verhängnis werden. Wer Cannabiskonsumenten in seinem direkten Umfeld hat, sollte daher nach Möglichkeit auf ein Urinkontrollprogramm umsteigen. 

Zudem ist ein Bestehen der MPU ohne vorherige teure psychologische Beratung deutlich erschwert. Das wirft natürlich die Frage auf, ob es den Straßenverkehr wirklich sicherer macht, wenn der Prüfling auf seine psychologische Begutachtung hintrainiert werden muss. Denn leicht stolpert man ohne vorherige Beratung über Fallstricke, wodurch einem die psychologische Eignung ohne nachvollziehbaren Grund abgesprochen wird.

Folgen einer angeordneten MPU

Die Folgen des Führerscheinentzugs kann für die Betroffenen immens sein. Abgesehen davon, dass eine MPU schnell mehrere tausend Euro kostet, kann es auch den Jobverlust und enorme Einschränkungen der persönlichen Freiheit bedeuten. Und das, ohne dass irgendjemand gefährdet oder verletzt wurde. Doch laut gefestigter Rechtsprechung schränkt selbst das gelegentliche Kiffen von einem Joint die Fahrtüchtigkeit ein, weshalb Kraftfahrer, die ab und zu einen rauchen, generell kein Auto mehr fahren sollten. 

Dieser fast schon zynischen Auffassung der Gerichte, versucht der Deutsche Hanfverband mit der Führerscheinkampagne „Klarer Kopf – Klare Regeln“ auf politischer Ebene entgegenzuwirken.  Leider mit bislang eher mäßigem Erfolg, da dieses Thema wohl auch politisch stark polarisierend wirkt.


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