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Kanada: ‚Joints for Jabs’ – Cannabis Preise für Geimpfte

Kanada: ‚Joints for Jabs’ – Cannabis Preise für Geimpfte
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Das öffentliche Interesse so schnell wie möglich eine hohe Impfquote gegen COVID19 zu erreichen ist derzeit überall auf der Welt sehr hoch. Je schneller die Herdenimmunität erreicht ist, desto schneller ist eine Normalisierung der Situation in Sicht. Im Bundesstaat Manitoba in Kanada hat sich der Cannabisproduzent Delta 9 ein kreatives Konzept überlegt, um die Impfbereitschaft zu fördern. Im Zuge der Kampagne „Joints for Jabs“ verlost Delta 9 deshalb drei Jahresrationen Cannabis an vollständig geimpfte Bewohner von Manitoba.

Für uns in Deutschland mag das klingen wie eine fiktive Anekdote aus Alice’ Wunderland, doch in Kanada und den USA sind derartige Konzepte bereits Realität. Mit dem Slogan „Joints for Jabs“ sind bereits unzählige kostenlose Joints über die Theken der Impfzentren in den USA und Kanada gegangen. Der Cannabisproduzent Delta 9 lässt dieses attraktive Angebot nun in einer Verlosung von drei Jahresrationen Cannabis an vollständig geimpfte Bewohner von Manitoba gipfeln. Demnach werden an drei glückliche Impflinge, Jahresgutescheine im Wert von 100 $ monatlich verschenkt. Neben der Jahresration gibt es weitere kleinere Preise wie kostenlose Joints und Merchandise Produkte. Die Verlosung läuft noch bis zum 30. September 2021 und jeder Bürger Manitobas, der seinen vollständigen Impfstatus nachweisen kann, kann teilnehmen.

Kostenlose Joints und Drinks für Impflinge in den USA

Washington D.C., Arizona, New York, New Jersey, Michigan – rund um die USA gab es verschiedenste Aktionen, um Impflinge zu rekrutieren. Am 20. April, dem inoffiziellen Cannabis-Feiertag startete die Cannabis Aktivistengruppe D.C. Marijuana Justice (DCMJ) eine riesige Aktion, bei der 8 Pounds lokal angebautes Cannabis in 4200 Joints verbaut und an 30 Impfzentren in Washington D.C. verteilt wurden.  Auch in Arizona werden kostenlose Joints und „gummy edibles“ (THC-haltige Gummibärchen) von Cannabis Dispensaries an nachweislich geimpfte Personen verschenkt. Doch nicht überall wurde eine Umsetzung erzielt. Das zentrale Problem bei der Angelegenheit ist, dass sich lokale Gesetze der einzelnen Bundesstaaten und nationale Gesetze (Federal-Law) bezüglich Cannabis entgegenstehen. In Seattle musste eine geplante Aktion abgebrochen werden, weil die Gesundheitsdienstleister sich nicht an der Verbreitung von Substanzen beteiligen wollten, die nach dem Federal Law verboten sind. Zu groß war die Angst nachträglich Probleme zu bekommen.

Stattdessen wird mit Bars und Alkoholproduzenten eine Freigetränk Kampagne umgesetzt, bei der sich vollständig Geimpfte kostenlose Drinks in Bars abholen können. Diese Aktion ist weniger riskant für die Gesundheitsdienstleister, weil sie sich nicht aktiv an der Vergabe der Genussmittel beteiligen. Stattdessen werden die Genussmittel extern, in Bars und Brauereien abgegeben. Ähnlich im Bundesstaat New Jersey, wo es für Erstimpflinge im Mai ein Freibier von einer lokalen Brauerei gab. In anderen Bundesstaaten, in denen strengere lokale Cannabis Gesetze herrschen, wird auf Bargeld- und Sachpreise wie Footballtickets gesetzt. Mit einer Impfquote von knapp 55 % Erstgeimpften und 47 % Zweitgeimpften in den USA, sowie 68 % Erstgeimpften und 33 % Zweitgeimpften in Kanada (Stand 04.07.21), sind die beiden Länder unter den Spitzenreitern im weltweiten Vergleich.

Deutschland setzt auf Eigenmotivation anstatt auf materielle Anreize

Kostenfreie Joints sind aufgrund strikter Cannabis Gesetze in Deutschland sowieso nicht vorstellbar. Freibier oder kostenlose Tickets für Sport- oder Kulturveranstaltungen wären jedoch auch in Deutschland durchaus umsetzbar. Derartige “materielle Anreizsysteme” für Geimpfte werden allerdings, laut Gesundheitsministerium, in der Bundesrepublik nicht erwogen. Es wird auf Zivilcourage und Eigenverantwortung gesetzt, die Impfung selbst und der Umstand andere zu schützen solle die Hauptmotivation sein sich impfen zu lassen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mitteilt. Anreize ergäben sich automatisch, durch die Vorteile im alltäglichen Leben (wie zum Beispiel beim Reisen).

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verweist auf die Dringlichkeit eine vierte Welle im Herbst durch Impfungen und Testungen bei Innenraumgeschehnissen zu verhindern. Er erwägt, dass das gemeinsame Interesse, diese vierte Welle zu verhindern für viele bereits Motivation genug sei, sich vollständig impfen zu lassen. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich noch zeigen. Bis bei uns zu Lande kostenlose Joints über Ladentheken gehen, müssen wir wohl noch eine Weile warten. So lange blicken wir noch ein wenig neidisch über den Atlantik und begnügen uns mit der Hoffnung, dass es einen fernen Tages auch bei uns soweit sein wird!

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