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Positiver Drogentest durch Passivkonsum – geht das?

Positiver Drogentest durch Passivkonsum – geht das?
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“Ich habe doch gar nicht gekifft. Ich war nur mit Kiffern im gleichen Raum!” Dieser Satz wird bei der ein oder anderen Polizeikontrolle vermutlich schon öfter gefallen sein. Eine schlechte Ausrede ist Passivkonsum aber wider Erwarten nicht immer – das ist sogar wissenschaftlich erwiesen.

Hohe THC-Werte durch passiven Konsum: Unter Extrembedingungen möglich

Wissenschaftler aus aller Welt haben sich mit der Frage beschäftigt, ob passiver Cannabiskonsum zu nachweisbaren THC-Werten in Blut oder Urin führen kann. Zum Beispiel hat ein US-amerikanisches Forscherteam einige Testpersonen zusammen mit sechs Kiffern in einen Plexiglaskasten verfrachtet. Bis zu 2,8 Gramm Cannabis wurden dabei pro Konsumierendem verbrannt – das resultierte in so vernebelter Luft, dass die Beteiligten Schutzbrillen gegen ihre brennenden Augen tragen mussten. Das wenig überraschende Ergebnis: Trotz ausschließlich Passivkonsum konnten teilweise signifikant erhöhte Werte von THC und THC-Abbauprodukten im Urin der Testpersonen nachgewiesen werden.

THC im Urin durch Passivkonsum: Kein besonders gutes Argument

Wer dieses Experiment als Argument bei der nächsten Polizeikontrolle anführen möchte, dem sei allerdings gesagt: Wir reden hier von einer extremen Testumgebung, die in der Realität wohl eher selten auftritt. Und sobald im Plexiglaskasten die Lüftung eingeschaltet wurde, verdünnte die den Cannabis-Nebel so sehr, dass der nicht mehr ausreichte, um zu einem positiven Testergebnis zu führen.

Im Normalfall keine erhöhten THC-Werte durch Passivkonsum möglich

Realistischer ist hingegen das folgende Experiment: Um herauszufinden, ob passiver Cannabiskonsum zu erhöhten THC-Werten im Urin führen kann, haben Forscher der Universitäten Mainz und Jena acht Personen in einen niederländischen Coffeeshop gesetzt. Die Testpersonen hatten zuvor noch nie gekifft und mussten auf 84 Quadratmetern drei Stunden lang zwischen bis zu 25 KonsumentInnen ausharren. Um besuchsarme Phasen auszugleichen, wurden zudem acht Gramm Cannabis in einem Aschenbecher abgebrannt. Durchaus erstaunlich: Am Ende konnten die Forscher keine erhöhten THC-Werte in Blut und Urin der Versuchsteilnehmer feststellen. Die untersuchten Schwellenwerte lagen dabei bei 25 Nanogramm THC pro Milliliter Urin und 1 Nanogramm THC pro Milliliter Blut.


Deutsche Grenzwerte sagen nur wenig aus

1 Nanogramm/Milliliter Blut ist der Wert, ab dem man in Deutschland als nicht mehr fahrtauglich eingestuft wird. Zudem wird bei einer Kontrolle auch der Carbonsäure-Wert (THC-COOH) gemessen. Carbonsäure ist ein Abbauprodukt von THC. Bei einem Wert von über 75 Nanogramm Carbonsäure pro Milliliter Blut heißt es: Lappen weg und ab zum Idiotentest. Bei 150 Nanogramm pro Milliliter liegt laut einer Stellungnahme der Uni München sogar ein Abhängigkeitsverhalten vor. Nur: Diese Werte sagt effektiv nichts darüber aus, ob der letzte Joint vor einer Stunde oder vor drei Wochen geraucht wurde. Und somit auch nicht, ob der Führer des Fahrzeugs wirklich bekifft gefahren ist. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Spielen in Rio galten Carbonsäure-Werte von bis zu 175 Nanogramm pro Milliliter Blut als okay. Alles darüber wurde als Doping gehandhabt.

Verhalten bei Polizeikontrolle: Urintest grundsätzlich verweigern

Übrigens: Außer Name, Geburtstag, Familienstand und so weiter muss man den Beamten während einer Polizeikontrolle gar nichts mitteilen. Fragen wie “Wann haben Sie zuletzt Cannabis konsumiert?” oder “Wo kommen Sie gerade her?” muss niemand beantworten. Und: Die Teilnahme am Urintest kann ebenfalls verweigert werden. Dann heißt es zwar von Seiten der Polizei oft: “Dann müssen Sie zur Blutentnahme mit auf die Wache kommen”, aber für eine Blutentnahme brauchen die Beamten einen konkreten Verdacht und meistens ist es ihnen den Aufwand nicht wert. Auf dem Weg zur Wache könnt ihr übrigens immer noch einlenken, wenn ihr es etwas eiliger habt. Dann solltet ihr euch allerdings 100% sicher sein, dass ihr in den letzten zwei Wochen an keinem Tütchen mehr gezogen habt.

Abstinenznachweis: Haaranalyse sagt nicht zwingend etwas über den Konsum aus

Wer eine MPU machen muss, muss meistens auch einen Abstinenznachweis einreichen. Dieser wird oft mittels einer Haaranalyse bescheinigt. Diese Methode galt bisher als ziemlich idiotensicher, es wurde davon ausgegangen, dass sich so der Konsum von Kokain, Amphetaminen oder eben Cannabis zweifelsfrei nachweisen lässt. Stellt sich raus: Das stimmt gar nicht. Forscher der Universität Freiburg zeigten, dass auch das bloße Passivkiffen zu positiven Testergebnissen führen kann. Manchmal reiche es sogar aus, dass eine Person, die Cannabis geraucht hat, einer anderen Person durch die Haare streicht, um die Testergebnisse zu verfälschen, so die Wissenschaftler.

Fazit: Erhöhte THC-Werte durch passiven Konsum möglich

Verschiedene Studien suggerieren, dass es durchaus sein kann, dass THC auch durch rein passiven Konsum im Körper nachzuweisen ist. Solange Deutschland an seinen lächerlichen Grenzwerten festhält, sollten autofahrende Passivkonsumenten also besser auf Nummer Sicher gehen und den Raucherbereich auf Partys lieber meiden. 


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