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Drogen- und Suchtbericht 2019: Cannabiskonsum steigt weiterhin an

Drogen- und Suchtbericht 2019: Cannabiskonsum steigt weiterhin an
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Berlin: Vergangenen Dienstag (05.11.19) stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), den Drogen- und Suchtbericht 2019 vor. Der Bericht bietet einen Überblick über aktuelle Statistiken und Trends im Zusammenhang mit dem Konsum von legalen sowie illegalen Drogen innerhalb Deutschlands. Neben Cannabis, Alkohol und Tabak erscheint auch eine unerwartete neue Sucht, von der immer mehr Jugendliche betroffen sind.

Rückbildung des Alkoholkonsums

Deutschland zählt, neben Russland, Polen und weiteren, weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum pro Kopf. Allerdings bildet sich der allgemeine Alkoholkonsum langsam zurück. 2004 tranken 21,2 Prozent der Jugendlichen von zwölf bis 17 Jahren mindestens einmal in der Woche Alkohol, im vergangenen Jahr waren es hingegen nur noch 8,7 Prozent. Vor allem bei Jugendlichen ist also der regelmäßige Konsum in den letzten 15 Jahren erheblich gesunken. Laut Bericht trinken Männer weiterhin mehr Alkohol als Frauen. In Hinblick auf den ebenfalls sinkenden übermäßigen Alkoholkonsum sieht dies jedoch anders aus: Beide Geschlechter trinken in diesem Fall ungefähr die gleiche Menge. Trotz dieser allgemein erfreulichen Zahlen muss erwähnt werden, dass dennoch drei Millionen Kinder innerhalb Deutschlands mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil aufwachsen. Hierbei müssen, so Ludwig, bessere Hilfen und Präventionen angeboten werden, da den Kindern sonst ein hohes Risiko droht, selbst abhängig zu werden.

Verbot der Tabakwerbung

Eine weitere erfreuliche Nachricht ist, dass neben dem Alkohol- auch der Zigarettenkonsum sinkt. Wiederum ist besonders bei den Jugendlichen ein Rückgang bemerkbar; die Zahl der rauchenden Jugendlichen hat sich im Vergleich zu den um zwei Drittel verringert. Bei den Erwachsenen liegt der Raucheranteil momentan bei 28 Prozent und reduziert sich ebenfalls weiterhin. Allerdings bedeutet das nicht, dass auf das Inhalieren von Stoffen verzichtet wird. Die meisten, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, hören nicht komplett auf, sondern steigen auf E-Zigaretten und Vaper um. Ludwig warnt vor dem neuen Trend: „Die E-Zigarette ist kein Wellnessprodukt. Uns fehlen jegliche Langzeitstudien über ihre Auswirkungen auf die Gesundheit.“ Trotz des vermehrten Umstiegs sterben jährlich 120.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums. Aufgrund dessen spricht sich die Drogenbeauftragte für ein komplettes Werbeverbot für Tabak sowie E-Zigaretten aus. Werbung für E-Zigaretten müssen laut ihr ebenfalls verboten werden, da den Konzernen sonst dadurch eine Möglichkeit gegeben wird, die Jugendlichen zu erreichen. „Dann werden wir feststellen, dass es künftig nur noch Werbung für E-Zigaretten geben wird und die wird wiederum genau an den Standorten stattfinden, an denen Jugendliche sich aufhalten: an Bushaltestellen, vor den Kinos, im Internet, in den sozialen Medien. Und das will ich schlicht und ergreifend nicht.“

Social Media

Zur Überraschung einiger wurde auch das Internet, genauer Social Media, in dem Bericht aufgenommen. Immer mehr Jugendliche entwickeln, laut Bericht, eine Internetsucht oder internetbezogene Störungen. Momentan nutzen 85% der 12- bis 17-jährigen täglich soziale Medien, schätzungsweise 270.000 derselben Altersklasse gelten als abhängig. 

Legalisierung von Cannabis

Cannabis bleibt weiterhin die am häufigsten konsumierte illegale Droge der Erwachsenen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. 19 Prozent der Jugendlichen und 42,5 Prozent der jungen Erwachsenen haben laut eigener Angabe bereits Cannabis konsumiert. Die Drogenbeautftragte Ludwig möchte im Hinblick auf eine Legalisierung offen sein, bringt allerdings aufgrund von Uneinigkeiten in der eigenen Partei keine Versprechen.

Weitere illegale Substanzen/Drogen

Auch der Konsum weiterer illegaler Drogen, beispielsweise Heroin oder Kokain, ist gesunken. Allerdings blieb die Todesrate im vergangenen Jahr mit einer Zahl von 1.276 fast konstant, als Hauptursache wird die Vergiftung durch Opioide genannt.In Berlin wird momentan über die Möglichkeit eines Eigenbedarfs für harte Drogen debattiert. Dies wirft allerdings einen Schein von Harmlosigkeit, obwohl bereits eine kleine Menge mancher Substanzen beim erstmaligen Konsum tödlich sein kann. „Selbst wenn die Zahlen der jährlich an illegalen Substanzen Verstorbenen seit einigen Jahren fast gleich bleiben, will ich hier noch einmal klar sagen: Zentral ist, was die Gesundheit der Menschen schützt! Eigenbedarf bei harten Drogen wie Kokain oder Heroin kommt daher absolut nicht in Frage!“ Wichtig sind für Ludwig die Hilfsangebote für Suchtkranke: „Suchtkranke dürfen nicht vergessen werden! Drogenpolitik heißt Gesundheitspolitik – und zwar für alle!“

Titelbild © vegefox.com – stock.adobe.com

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