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Kleidung aus Hanf: Die nachhaltige Lösung?

Kleidung aus Hanf: Die nachhaltige Lösung?
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Hanf gehört zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt – Kosmetik, Nahrungsmittel, Papier – alles kein Problem für die Wunderpflanze! Auch in der Textilindustrie ist der Rohstoff gerne gesehen und erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Denn Stoffe aus Hanf sollen nicht nur robust, sondern auch besonders nachhaltig sein. Stimmt’s? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen!

Die Geschichte von Hanf in der Textilindustrie

Bereits vor mehr als 12.000 Jahren wurde Hanf erstmalig zur Herstellung von Kleidung genutzt. Doch andere Materialien wie Baumwolle machten der Pflanze Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Ruf streitig. Dazu kamen Anbauverbote in mehreren Ländern, da Hanf, wie wir alle wissen, auch gerne mal zur Entspannung in Form eines Joints konsumiert wird. Seither ist es ein auf und ab – gelegentlich erfahren Hanf Textilien ein regelrechtes Revival, welches dann aber oft genauso schnell wieder abflacht. Denn auch wenn den Stoffen ein positiver Ruf in Sachen Nachhaltigkeit vorauseilt  – so ist die Frage danach doch deutlich komplexer. Doch um das besser zu verstehen, gehen wir zunächst auf die Eigenschaften, die Hanf zugeschrieben werden, ein.

Mythos 1: Kleidung aus Hanf hält länger

Stimmt! Tatsächlich sind Textilien, die aus Hanf hergestellt wurden, deutlich unempfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen, als andere Materialien. Das liegt vorrangig an den Fasern. Die sind beim Hanf nämlich ziemlich lang und dicht, während sie bei Baumwolle eher kurz und locker sind. Die Stoffe eignen sich daher z.B. perfekt für die Outdoor-Klamotte, die ja manchmal so einiges über sich ergehen lassen muss. Ein weiterer Vorteil: Durch die feste Struktur leiern die Sachen nicht so schnell aus oder wird nach und nach immer durchscheinender. 

Mythos 2: Hanf Kleidung schützt vor UV-Strahlung

Auch dieser Mythos ist wahr! Denn durch die feste Struktur der Fasern ist auch das Gewebe besonders dicht und schützt so weitaus besser gegen UV-Strahlung. 

Mythos 3: Kleidung aus Hanf – eine kratzige Angelegenheit

Es pikst, es kratzt – keiner von uns hat Lust auf unbequeme Klamotten. Jedoch waren Textilien aus Hanf lange genau dafür bekannt. Und was hilft der nachhaltige Gedanke schon, wenn man die Kleidung letzten Endes nicht bequem tragen kann? Doch keine Sorge – heute ist dem nichtmehr so! Denn die Fasern des heute angebauten Nutzhanfes sind im Gegensatz zum damaligen weitaus besser und auch an der weiteren Verarbeitung wurde ordentlich geschraubt. Trotzdem geht probieren über studieren – deswegen probier doch einfach mal ein bis zwei Teile an und schau, wie wohl du dich darin fühlst. 

Mythos 4: Ob Sommer oder Winter – Hanf Kleidung geht immer! 

Bist du auch so genervt von dem stetigen Wechsel aus Frühling-, Sommer-, Herbst- und Winterklamotten? Wäre es nicht so viel einfacher, etwas für alle Jahreszeiten zu haben, ob es kalt oder warm ist und gerade jetzt, wo viele eh nur ihre Zeit Zuhause verbringen? Dann könnte Hanf die Lösung all deiner Probleme sein! Denn es ist wahr, dass man Hanf Textilien sowohl im Sommer, als auch im Winter sehr gut tragen kann. Wenn du im Sommer oft schwitzt, nimmt der Stoff etwa ein Drittel der Feuchtigkeit auf, ohne dabei feucht zu werden oder auszuleiern. Im Winter isolierte das feste Gewebe gut gegen die Kälte und bleibt dabei trotzdem atmungsaktiv. Ein echtes Allroundtalent! 

Mythos 5: Textilien aus Hanf haben eine gute Hautverträglichkeit  

Stimmt! Hanf überzeugt vor allem durch seine gute Hautverträglichkeit, im Gegensatz zu Kleidung aus Kunstfasern, die gerne mal fies jucken. Der Grund ist ganz einfach: Beim Anbau und der Produktion von Hanf wird auf die Verwendung von chemischen Mittelchen verzichtet. Außerdem weisen die Fasern die gleiche mikroelektronische Spannung auf, wie unsere Haut. 

Mythos 6: Hanf Klamotten sind antimikrobiell

Und auch dieser Mythos ist wahr! Hanffasern weisen antimikrobielle Eigenschaften auf, wodurch sich durch Schweiß kein unangenehmer Geruch bilden kann. Und desto weniger die Kleidung „müffelt“, umso weniger muss man sie auch waschen. Auch hier haben Klamotten aus Hanf also einen positiven ökologischen Nebeneffekt! 

Mythos 7: Aus Hanf hergestellte Kleidung ist gut für die Umwelt

Kommen wir nun zur wichtigsten Frage, nämlich ob Stoffe aus Hanf wirklich so gut für die Umwelt sind. Wie zu Beginn gesagt ist die Frage deutlich komplexer, als viele denken. Hanf kann an fast allen Orten der Welt wachsen – was natürlich ein großer Vorteil ist in punkto Regionalität und Co2-Ausstoß durch lange Transportwege. Man kann Hanf komplett verwerten und weiterverarbeiten. Zudem ist der Rohstoff sehr ergiebig, die Pflanze wächst schnell und braucht verhältnismäßig wenig Wasser, da er meist in niederschlags- und grundwasserreichen Gegenden angebaut wird. Und auch gegen Unkraut ist Hanf gut gewappnet – durch sein dichtes Blattwerk kann dieses nämlich nur sehr schwer wachsen. So fällt der übermäßige Gebrauch von chemischen Herbiziden weg und auch Zusatz- und Bindestoffe, sowie Fungizide werden durchschnittlich weniger verwendet, da die Pflanze äußerst resistent gegen Pilzbefall ist. 

Die Nachteile von Hanf Kleidung

Doch natürlich bringt der Anbau von Hanf nicht nur Vorteile mit sich. Zum einen kann Hanf in fast allen Regionen der Welt angebaut werden, jedoch bringt das in Sachen Nachhaltigkeit nur wirklich einen Vorteil, wenn dies auch wie bereits zuvor beschrieben in niederschlags- und grundwasserreichen Gegenden angebaut wird. In anderen Regionen braucht die Pflanze natürlich auch wieder mehr Wasser. Zudem ist der Herstellungsprozess schwierig, da die für die Textilproduktion benötigten Fasern in den Faserbündeln der Pflanzen liegen. Um an diese zu kommen, muss man zunächst den restlichen Teil der Pflanze entfernen. Baumwolle muss dahingegen nur gepflückt werden – der Aufwand ist hier also deutlich geringer.

Ein weiterer Nachteil ist, dass der Nutzhanf, den wir für die Produktion von Textilien bräuchten, nicht ausreichend genug in Europa angebaut wird. Ein großer Teil wird deshalb aus China importiert, was die Frage nach fairen Arbeitsbedingungen und einem ökologischen Anbau aufwirft. Der Weltmarktpreis von Hanf liegt bei ca. 50 Cent/Kilo, da kann Europa derzeit nicht mithalten. Denn hier würde der Preis bei ca. 65 Cent/Kilo liegen. Außerdem sind die Samen des Hanfes noch nicht reif, wenn dieser für die Faserverarbeitung geerntet werden muss. Ein  zusätzliches Ernteprodukt, welches den Bauern beim Anbau entfällt. Hier vor Ort stellten die Bauern nach und nach wieder auf den wirtschaftlich lukrativeren Anbau von Mais oder Raps um und Produktionen, sowie Hanfspinnereien verschwanden nach und nach ins Ausland. 

Tipp: Achte deshalb beim Kauf von Hanf Klamotten oder anderen Naturfasern auf die Siegel „Naturtextil“ oder „Global Organic Standard“. 

Fazit: Kleidung aus Hanf – die nachhaltige Lösung?

Wie wir gelernt haben, bringen Textilien aus Hanf viele Vorteile, aber auch einige Nachteile mit sich. Alles in allem ist es aber eine tolle Alternative zu Baumwolle und Co – solange du beim Kauf auf o.g. Siegel achtest oder das die Produkte in Europa hergestellt wurden. Wenn der Anbau hier vor Ort weiter gefördert wird, könnte man tatsächlich das volle Potenzial der Pflanze ausnutzen, sowie die überwiegend positiven Aspekte in Sachen Nachhaltigkeit. Generell kannst du zusätzlich einen nachhaltigen Lebensstil in deinen Alltag integrieren, z.B. durch den Kauf von Second-Hand-Mode, oder indem du deine Wäsche nicht zu oft wäschst und dabei auf ökologische Waschmittel achtest. 

Titelbild © Elroi – stock.adobe.com

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