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Nach Razzia bei Cannameleon – Rücksprache mit dem Geschäftsführer Lukas Schwarz

Nach Razzia bei Cannameleon – Rücksprache mit dem Geschäftsführer Lukas Schwarz
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Immer mehr Razzien finden im Zusammenhang mit Cannabis statt, beispielsweise die Großrazzia in mehreren Münchner Hanfläden diesen April. Als jüngstes Beispiel aber wäre die Razzia vom 05.11 bei dem Würzburger Unternehmen Cannameleon zu nennen. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Lukas Schwarz über die Vorkommnisse, die Gründe hinter der Razzia und den resultierenden Schaden.

Vorfall

Am 05.11 wurden die Geschäftsräume von Cannameleon von der Kriminalpolizei Würzburg unter der Leitung der Staatsanwaltschaft durchsucht. Rechtsgrundlage für die Razzia war ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss wegen des Verdachts auf den Handel von Betäubungsmitteln sowie deren Abgabe an Minderjährige. Aufgrund eines angeblichen THC-Gehalts von über 0,2% soll es sich laut Polizei hier um illegale Produkte handeln, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und für deren Verkauf es einer Erlaubnis bedurft hätte.
Allerdings fanden die Razzien nicht nur im Rahmen der Geschäftsräume statt, auch die Privaträume des Inhabers sowie der Mitarbeiter wurden unter die Lupe genommen. Auch das Haus eines ehemaligen Mitarbeiters der Firma, welcher seit dem Frühjahr nicht mehr für diese arbeitet, wurde durchsucht. Der Geschäftsführer berichtet von einer „eher ungewöhnlich[en] und unverhältnismäßig[en]“ Gewalt und Aggressivität der Polizei beim Eindringen in die Privaträume, obwohl sich die Betreiber stets kooperativ und friedlich verhalten hätten. Als Schwarz den Vorfall auf seinem Smartphone filmen wollte, wurde er nach eigenen Angaben gewaltsam zu Boden gerissen und dort für 10 Minuten fixiert. Daraufhin wurden ihm Handschellen angelegt, welche ihm selbst nach dem Öffnen der Tür zu einem seiner Läden nicht abgenommen wurden. Seine Frau wurde ebenfalls gewaltsam am filmen des Einsatzes gehindert, obwohl sie das jüngere der beiden Kinder auf dem Arm trug, welches die Treppe hätte hinunterfallen können. Die Polizeibeamten steckten außerdem die installierten Videokameras in den Läden aus, sobald sie bemerkt hatten, dass sie gefilmt wurden. Laut Schwarz durchwühlten die Beamten sämtliche Wohnräume, um private Dokumente, Laptops und Ware als Beweismaterial in Beschlag zu nehmen, und stiegen grundlos mit dreckigen Schuhen auf die Betten der Familie. Das alles passierte vor den Augen der kleinen Kinder des Paares. Das sichergestellte Material wird nun vom Bayerischen Landeskriminalamt auf den THC-Gehalt überprüft.


Zu dem Vorfall äußerte sich Lukas Schwarz, Geschäftsführer von Cannameleon nicht nur uns gegenüber, sondern ebenfalls in bislang zwei ausführlichen Videostatements und einer Pressemitteilung. Insbesondere das erschreckend rigorose Verhalten der Polizei, hat die jungen Unternehmer nachhaltig erschüttert.

Was begründet die Härte der Polizei gegen ein harmloses Teegeschäft?

Alle Cannabis-haltigen Produkte in den Cannameleon-Geschäften weisen laut Produzenten und Analysezertifikaten einen THC-Wert von unter 0,2% auf und werden aus EU zertifiziertem Nutzhanf hergestellt. Der Erwerb und Handel derartiger Produkte ist innerhalb Deutschlands zwar ein Graubereich und die Legalität umstritten, doch gibt es rechtlich keinen Unterschied zwischen den Cannameleonprodukten und dem Hanftee, der unbeanstandet bei REWE und EDEKA verkauft wird. Aktuell laufen bereits mehrere Gerichtsverfahren, um diese Frage abschließend zu klären. Der Verdacht hinsichtlich der Abgabe an Minderjährige ist Schwarz zufolge unberechtigt. „Selbstverständlich haben wir Hanfprodukte zum Beispiel Hanf-Lollys und Hanfschokolade an Minderjährige verkauft. Warum auch nicht?“ Denn derartige Produkte enthalten weder CBD noch THC und sind somit an Minderjährige frei verkäuflich. Weiterhin fragen die Angestellten und Mitarbeiter beim Verkauf von CBD-haltigen Produkten nach dem Ausweis. Auch ein Klick auf die Webseite zeigt: Bevor man überhaupt Zugang zur Webseite erhält, muss das Alter von über 18 Jahren bestätigt werden.

Resultierender Schaden und Auswirkungen auf das Geschäft

Der Schaden, der durch die Beschlagnahmung entstanden ist, liegt im 5-stelligen Bereich, berichtet Schwarz. Es handelt sich allerdings nicht nur um einen reinen materiellen Schaden, denn auch das Image des Ladens leidet stark unter den Vorkommnissen. Das Unternehmen zählt hauptsächlich 40- bis 80-Jährige zu ihren Kunden, welche aufgrund der netten und persönlichen Beratung gerne die Läden besuchen und durch die Vorkommnisse möglicherweise abgeschreckt sein könnten. Auch der Zugang von Neukunden und Branchenfremden, die noch nicht mit der Materie Nutzhanf vertraut sind, ist stark zurück gegangen. Dadurch musste das Cannameleon bis zu 70% Umsatzeinbußen hinnehmen.

Es ist fast schon paradox, dass sich einerseits immer größere Teile der Politik, bis tief in das konservative Lager aus CDU/CSU für eine zeitgemäßere Drogenpolitik einsetzen und über eine Regulierung von THC-haltigen Produkten nachdenken, während die Exekutive große Ressourcen im unerbittlichen Kampf gegen Nutzhanf verschwendet. Wovor fürchtet sich die Staatsanwaltschaft so sehr, dass sie sich genötigt fühlt mit Kanonen auf Cannameleons zu schießen?

Kommentar(1)

  1. Was sagt denn die Polizei dazu? Die werden doch sicher einen Pressesprecher haben. Wurde Anzeige gegen die Polizei gestellt? Denn immerhin verstößt das Cannabis-Verbot ja gegen geltendes Recht.

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