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Das erste Selbstpflückfeld für Hanf: Ein Interview mit Josef Bayer

Das erste Selbstpflückfeld für Hanf: Ein Interview mit Josef Bayer
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Wir waren zu Besuch bei Josef Bayer, Bayers Franken Hanf. Er ist Betreiber der ersten Hanf Selbstpflücke in Kronach, einem kleinen Ort mitten in Bayern. Auf seinem Feld bietet er Nutzhanf zum Selberernten an – allerdings nur für Gewerbetreibende – dazu aber später mehr. Man bekommt also die Möglichkeit, bei einem gemütlichen Spaziergang durch das Feld den Hanf hautnah zu erleben. Joe’s Ziel ist es, den Hanf „sachlich, fachlich, informativ und interaktiv präsentieren“ zu können. Die verschiedenen Stationen, an denen man sich über Anbau, Weiterverarbeitung und Anwendungsbereiche informieren kann, erinnern eher an einen Wildpark als an ein Hanffeld.

Wie kam er zu der Idee der Hanf-Selbstpflücke?

Hanf begleitet ihn schon sein halbes Leben lang. In der Jugend hat er wie so viele angefangen, mal den ein oder anderen Joint zu rauchen. Durch seine Krankheit, einer chronischen Reizdarmentzündung, wurde Hanf zu medizinischen Zwecken für ihn mit der Zeit immer interessanter. Er hat sich vor einigen Jahren dazu entschieden, seine Symptome nicht mehr mit Medikamenten zu behandeln, sondern sich mit Cannabis selbst zu therapieren. Leider führte wegen der Rechtslage in Deutschland kein Weg am Schwarzmarkt vorbei. Nachdem dann das Gesetz für medizinisches Cannabis im März 2017 verabschiedet wurde, dauerte es trotzdem noch ein halbes Jahr, bis er endlich einen Arzt gefunden hatte, der ihm ein Rezept für Cannabis ausstellt. Gleichzeitig wurde auch seine Idee für das Selbstpflückfeld geboren. Diese Idee an sich ist nichts Neues in der Familie Bayer, da sie seit über 30 Jahren Erdbeer-Selbstpflückplantagen besitzen. Joe dachte sich also, „Warum nicht auch mit Hanf?!“.

Anfangs war alles viel zu einfach

Joe erzählt uns, dass von der Idee bis zur Umsetzung seines Hanfpflückfeldes eigentlich immer alles reibungslos ablief. Das Landratsamt spielte mit, und sogar die Oberstaatsanwaltschaft und die Polizei ließ sich darauf ein. Doch dann kam ein Anruf aus Coburg. Die Kripo hakte noch einmal genauer nach und wollte das Ganze mit der Bundesopiumstelle abklären. Die Entscheidung war mehr als ernüchternd: Jo darf keinen Privatpersonen Zugang zu seinem Feld gewähren. Der Stolperstein war ein Zusatzartikel im BtMG. In der Anlage heißt es, dass zum einen der Handel nur zu gewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken stattfinden darf und zum anderen, dass eine Weiterverarbeitung des Nutzhanfes erfolgen muss, um jeglichen Missbrauch zu Rauschzwecken auszuschließen. Und genau der letzte Punkt ist das Problem von Joe’s Hanffeld: Die Blüten sind nicht weiterverarbeitet und theoretisch könnten Privatpersonen mit sehr hohem Aufwand den Hanf als Rauschmittel nutzen, obwohl es sich um EU-lizensierte Nutzhanfsorten mit weniger als 0,2% THC handelt. In den meisten Bundesländern in Deutschland wird dies geduldet – aber natürlich nicht in Bayern. Dass die Bundesländer in Bezug auf Cannabis nicht einheitlich entscheiden, sieht man auch an den Mengen, die als Eigenbedarf zählen. Dieser Grauzone bezüglich der CBD-Blüten ist unter anderem kürzlich auch die Hanfbar in Braunschweig (Niedersachsen) zum Opfer gefallen.

Nachhaltiger Anbau

Der Anbau von Nutzhanf ist unter bestimmten Voraussetzungen seit 1996 in Deutschland legal. Eine wichtige Bedingung ist die Einhaltung des THC-Wertes unter 0,2 Prozent, wie wir bereits unserem Artikel über CBD-Blüten festgestellt haben. Josef spricht sichtlich begeistert von dem mehr als einfachen Anbau von Cannabis: Es ist keine Düngung nötig, da sich die wertvollen Stoffe aus dem Boden und die Nährstoffe aus der Luft automatisch speichern und im nächsten Jahr den Boden von Natur aus düngen. Zusätzlich entseucht Hanf sogar den Boden und könnte Teil der Lösung für niedrigere Nitratwerte und reineres Grundwasser sein. Nachhaltiger geht es kaum.

Ein besseres Verständnis für Cannabis

Mit seiner Hanf-Selbstpflücke will Joe ein besseres Verständnis für Cannabis vermitteln. Die Pflanze soll nicht mehr nur als reines Rauschmittel angesehen werden, die automatisch mit Drogenabhängigen und Süchtigen in Verbindung gebracht wird. Durch die Öffentlichkeitsarbeit auf seinem Feld soll die Bevölkerung ein anderes Bewusstsein zum Produkt bekommen. So war es auch mit seinem Erdbeerfeld, und er ist sich sicher, dass es mit seinem Hanffeld genauso passiert. Wir wünschen Joe alles Gute in seinem Kampf gegen die Behörden und hoffen das in naher Zukunft Hanfselbstpflückfelder über die ganze Republik verteilt aus dem Boden sprießen.

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