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Wechselwirkungen zwischen CBD und anderen Medikamenten

Wechselwirkungen zwischen CBD und anderen Medikamenten
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CBD gilt grundsätzlich als sicher, kann aber in hohen Dosierungen Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten haben.

CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, eines von über hundert Cannabinoiden, also chemischen Verbindungen, die in der Cannabispflanze vorkommen. Das bekannteste Cannabinoid ist THC (Delta-9-Tetrahydrocannabidiol), welches mit seiner psychoaktiven Wirkung für den Rauschzustand verantwortlich. CBD wirkt im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv, wird aber erfolgreich zur Behandlung von Schmerzen, Krampfanfällen und anderen Krankheiten eingesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat CBD nicht in die internationalen Kontrollabkommen über Betäubungsmittel aufgenommen. Cannabidiol ist im Allgemeinen gut verträglich und gilt als sicher, es kann bei einigen Menschen aber trotzdem zu Nebenwirkungen führen. Zu diesen gehören laut einer Studie Durchfall, Appetitveränderungen und Müdigkeit. CBD ist außerdem dafür bekannt, dass es mit mehreren Medikamenten interagiert. Erhebungen zum Thema beziehen sich allerdings auf Arzneimittel mit CBD, die eine erheblich höhere Konzentration des Cannabinoids enthalten, als die in Deutschland erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel.

CBD kann bestimmte Leberenzyme hemmen

Bei ausreichender Dosierung deaktiviert CBD vorübergehend Cytochrom-P450-Enzyme, eine Gruppe von Leberenzymen, die dafür verantwortlich sind, die meisten der von uns konsumierten Medikamente zu verstoffwechseln. Im Wesentlichen deaktivieren sich die Cytochrom-P450-Enzyme und Cannabidiol gegenseitig. CBD wird durch die Leberenzyme metabolisiert und fungiert gleichzeitig als „konkurrenzfähiger Inhibitor“ derselben. Dadurch verdrängt es seine chemischen Konkurrenten und verhindert, dass Cytochrom P450 andere Verbindungen abbauen kann. Wie stark dieser Effekt ist, hängt davon ab, ob isoliertes CBD oder ein ganzpflanzliches Mittel verwendet wird (Entourage-Effekt) und wie viel CBD verabreicht wird.

Geringe Dosen haben keinen spürbaren Effekt

Wenn die Dosierung von Cannabidiol niedrig genug ist, hat es keinen spürbaren Einfluss auf die Cytochrom-P450-Enzyme. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2013 mit dem Mundspray Sativex, einem ganzpflanzlichen Präparat mit CBD und THC, ergab keine Wechselwirkungen mit dem Leberenzym CYP2C19, wenn etwa 40 mg CBD verabreicht wurden (zum Vergleich: 3 Tropfen eines fünfprozentigen CBD-Öls enthalten etwa 5 mg CBD).

CYP2C19 gehört wie CYP3A4 und CYP2D6 zur Cytochrom-P450-Familie. CYP3A4 metabolisiert etwa ein Viertel aller Medikamente sowie Kokain. Daher kann CBD die Serumkonzentration, also die Konzentration bestimmter Arzneimittel im Blut, erhöhen. Dazu gehören Makrolidantibiotika, Kalziumkanalblockern, Benzodiazepine, Cyclosporin, PDE5-Hemmer, Antihistamine, Haloperidol, antiretrovirale Mitteln und einigen Statine. CYP2D6 verstoffwechelst viele Antidepressiva, sodass CBD die Serumkonzentration von SSRIs, trizyklischen Antidepressiva, Antipsychotika, Betablockern und Opioiden (einschließlich Codein und Oxycodon) erhöhen kann. CYP2D6 ist zudem beim Metabolismus illegaler Drogen, wie MDMA und Amphetaminen beteiligt.

Studien über Wechselwirkungen von Cannabidiol mit anderen Medikamenten sind leider noch selten. Der Wissenschaftler, der die CBD-Interaktion mit den Cytochrom-P450-Ezymen entdeckte war Lester Bornheim. Ihm verdanken wir auch, dass CBD mittlerweile erfolgreich zur Behandlung bestimmter Formen der Epilepsie eingesetzt wird. Bornheim fand heraus, dass Cannabidiol dazu führen kann, dass Arzneimittel in unverstoffwechselbarer Form länger im Körper bleiben. Bei Substanzen wie dem Antiepileptikum Clobazam, ist aufgrund seiner Toxizität Vorsicht geboten.

Aufpassen bei Chemotherapeutika und Blutverdünnern

Cannabinoid-Forscher Adrian Davitt-Lee, der für die Initiative Project CBD arbeitet hält die Wechselwirkungen von Cannabidiol mit Chemotherapeutika für ebenfalls gefährlich. Ihre tägliche Dosierung liege nämlich nur sehr knapp unter der Toxizitätsgrenze und falls Chemotherapeutika zu lange im Körper bleiben sollten, könnten sie tatsächlich zum Gift werden.

Eine Studie des japanischen Wissenschaftlers Satoshi Yamaori aus dem Jahr 2012 zeigt auf, dass auch das Zusammenwirken von CBD mit Antikoagulanzien (Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung) problematisch sein kann. Zwar handelt es sich bei der Erhebung nur um eine sogenannte in-vitro-Studie, bei der die Versuche in einer künstlichen Umgebung durchgeführt werden, allerdings konnten die Ergebnisse durch eine Fallstudie von 2017 bekräftigt werden.

Sollte ich von CBD die Finger lassen?

Cannabidiol als Nahrungsergänzungsmittel ist aufgrund seiner geringen Konzentration höchstwahrscheinlich unbedenklich. Die zitierten Studien beziehen sich auf CBD als Medikament, die Dosierungen sind also erheblich höher. Außerdem können die Wechselwirkungen zwischen CBD und anderen Medikamenten häufig mit den Auswirkungen von Cannabidiol auf die gleichen Erkrankungen zusammenhängen, gegen welche das Medikament ursprünglich verschrieben wurde. Wer eines der im Artikel erwähnten Medikamente einnimmt, dem würde es jedoch nicht schaden, mit seinem Arzt sprechen.

Nur weil CBD mit bestimmten Medikamenten interagieren könnte, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es sich dabei um eine schlechte Reaktion handeln muss. Es könnte ebenso in der Lage sein, bestimmte Arzneimittel effektiver zu machen, sodass die Menschen die notwendige Dosis senken könnten, um unangenehme Nebenwirkungen zu reduzieren. Insgesamt sprechen wissenschaftliche Studien bisher dafür, dass CBD mehr Nutzen bringt als der potenzielle Schaden verursachen kann. Letzteres kann durch ein besseres Verständnis des Interaktionsmechanismus vermieden werden. Weitere Forschung ist deshalb erforderlich.

Titelbild © Rawpixel.com – stock.adobe.com

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