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Cannabis als Medizin – Was ist der Entourage-Effekt?

Cannabis als Medizin – Was ist der Entourage-Effekt?
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Der sogenannte Entourage-Effekt besagt, dass Cannabis als Arzneimittel oft wirksamer ist als seine isolierten Bestandteile.

Der Begriff Entourage-Effekt wurde erstmals 1998 in einer Publikation der israelischen Forscher Shimon Ben-Shabat und Raphael Mechoulam verwendet, um das komplexe Zusammenspiel der einzelnen Moleküle in der Cannabispflanze zu erklären. Dazu gehören die über hundert Cannabinoide wie THC (Delta-9-Tetrahydrocannabidiol) und CBD (Cannabidiol), sowie die aromatischen Terpene und Terpenoide. Terpene sind Kohlenwasserstoffe, die auch in vielen Pflanzen und Früchten zu finden sind. Terpenoide sind ebenfalls Naturstoffe, die aber in der Regel zusätzlich Sauerstoff enthalten. Sowohl Terpene als auch Terpenoide sind für die verschiedenen Geschmacksrichtungen der einzelnen Strains verantwortlich und haben selbst pharmakologische Effekte. Auf welche Weise Cannabinoide, Terpene und Terpenoide zusammenspielen und wie genau sie im menschlichen Körper wirken, wird noch erforscht.

Synthetisches THC allein weniger effektiv als Cannabis als Ganzes

Ein Beispiel für den Entourage-Effekt – oder genauer gesagt die Abwesenheit desselben – ist Marinol. Dabei handelt es sich um synthetisches THC zur Linderung von Nebenwirkungen der Chemotherapie. Im Gegensatz zur Behandlung mit Cannabis als ganzer Pflanze erwies sich Marinol als sehr uneffektiv. Es wird angenommen, dass der Grund hierfür der Entourage-Effekt ist. So reduziert beispielsweise das Terpen Myrcen die Widerstandsfähigkeit der Blut-Hirn-Schranke und lässt die wertvollen chemischen Verbindungen aus Cannabis durchdringen und ihre Arbeit verrichten.

In einer Studie des Neurologen Dr. Ethan Russo, die 2011 im British Journal of Pharmacology erschien wurden die therapeutischen Eigenschaften von weiteren Terpenen und Terpenoiden untersucht. So half etwa Pinen, den durch THC verursachten Beeinträchtigungen von Kognition und Gedächtnis entgegenzuwirken und die Kombination der Terpene Pinen, Myrcen und Caryophyllen wirkte angstlindernd. Linalool und Limonen zusammen mit dem Cannabinoid CBG (Cannabigerol) zeigte vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung multiresistenter Staphylokokken. Russos Studie bestätigte außerdem, dass CBD die psychoaktive Wirkung von THC moduliert und dessen Nebenwirkungen reduziert.

Weitere Forschung ist dringend notwendig, da die genannten Beispiele vermutlich nur einen Bruchteil aller möglichen Synergien aufzeigen, die im Rahmen der Ganzpflanzentherapie zur Verfügung stehen.

Titelbild © watman – stock.adobe.com

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