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CBD gegen Schizophrenie: Effekte auf die menschliche Psyche

CBD gegen Schizophrenie: Effekte auf die menschliche Psyche
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Cannabidiol – kurz CBD – ist nun schon seit längerer Zeit ein heiß begehrter Wirkstoff der Cannabispflanze mit vielen diversen positiven Effekten für Körper und Geist. Im Gegensatz zum nach wie vor illegalen Wirkstoff THC birgt der Konsum von CBD jedoch keine psychischen Risiken. Im Gegenteil! Eine Studie aus dem Journal „Translational Psychiatry“ (ein Sub-Journal des renommierten Fachmagazins „Nature“) stellte eine positive Wirkung auf Schizophrenie Patienten nach der Behandlung mit CBD fest. Die Studie wurde am Institut für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln durchgeführt, nachdem Forscher eine interessante Wirkung von CBD bei Tieren beobachteten, welche sie am Menschen überprüfen wollten. 

CBD erhöht die Konzentration von Endocannabinoiden

Im Tiermodell stellten die Forscher fest, dass sich die Konzentration ein bestimmten Endocannabinoids namens „Anandamid“ im Körper der Tiere nach Gabe von CBD erhöhte. „Endo“ ist abgeleitet aus dem griechischen, für „innen“ oder „innerhalb“ und bedeutet in diesem Kontext „körpereigen“. Endocannabinoide sind eine Gruppe von Fettsäure-basierten Signalmolekülen, die auf die Cannabinoidrezeptoren wirken, welche auch Zielstruktur von Phytocannabinoiden (= Cannabinoide aus Pflanzen) sind.  Anandamid wirkt auf den gleichen Rezeptor wie auch das Phytocannabinoid THC, den sogenannten CB1-Rezeptor (CB = Cannabinoid). Aufgrund des vereinzelten Auftretens von Schizophrenie bei Cannabiskonsumenten befürchtete man eine Zeitlang, dass eine erhöhte Aktivierung dieses CB1-Rezeptors eine Ursache für Schizophrenie sein könnte. Diese Hypothese konnte in klinischen Studien mit CB1-Rezeptor Antagonisten (= Substanzen die eine hemmende bzw. nicht-aktivierende Wirkung auf den CB1-Rezeptor besitzen) nicht bestätigt werden.

Interessanterweise, resultierten Studien mit Schizophrenie Patienten in einer ganz gegensätzlichen Hypothese – und zwar, dass Komponenten des Endocannabinoidsystems eine protektive, also schützende Rolle im Zusammenhang mit Schizophrenie haben könnte. Das bereits genannte Endocannabinoid Anandamid rückte dabei in den Fokus der Forscher. In diversen Tier- und in vitro Studien (= Studien außerhalb eines Organismus, z.B. an isolierten Zellen) konnte bereits gezeigt werden, dass CBD die Konzentration von Anandamid erhöht, indem es dessen Abbau verhindert. Alle Botenstoffe die im Körper synthetisiert werden, werden nach einer gewissen Zeit auf natürlichen Wege durch sogenannte Enzyme wieder abgebaut. Das Enzym welches Anandamid abbaut, die sogannenante „fatty acid amide hydrolase“ (FAAH) wird durch Cannabidiol erwiesenermaßen gehemmt, was die Akkumulation, also die Anhäufung, von Anandamid bedingt. Infolge der Anhäufung von Anandamid kommt es zur verstärkten Aktivität des CB1-Rezeptors, da dieser durch Anandamid aktiviert wird. 

CBD vs. Antipsychotika – eine Alternative mit weniger Nebenwirkungen?

Nachdem eine Milderung von psychotischen Symptomen im Tiermodell nach CBD Gabe beobachtet wurde, veranlassten die Forscher eine Humanstudie mit 42 Schizophrenie Patienten. Die Forscher teilten die Patienten in zwei Gruppen, wobei die eine Hälfte mit CBD, die andere Hälfte mit dem etablierten Antipsychotikum „Amisulpride“ behandelt wurden. Amisulpride ist ein Dopamin D2/D3-Rezeptor Antagonist und eines der effektivsten Medikamente die derzeit zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt werden.

Patienten beider Gruppen zeigten nach der einmonatigen Behandlung signifikante Verbesserungen klinischer Symptome, wobei keine relevanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden konnten. Auffällig jedoch, war das wesentlich geringere Auftreten von Nebenwirkungen bei Patienten die mit CBD behandelt wurden. Behandlungen mit Antipsychotika verursachen bekanntermaßen häufig Nebenwirkungen wie etwa Gewichtszunahme oder den Verlust der Libido. Während CBD einen vergleichbar positiven Effekt auf die Symptome der Schizophrenie hatte wie Amisulpride, wurden deutlich weniger Nebenwirkungen beobachtet.

Genauer Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt 

Um der Ursache der beachtlichen Wirkung von CBD in diesem klinischen Rahmen auf den Grund zu gehen, überprüften die Forscher die Blutserumkonzentrationen von Anandamid und zwei weiteren Endocannabinoiden, welche als Substrat des besagten Enzyms FAAH bekannt sind. In der CBD-behandelten Gruppe wurde ein deutlicher Anstieg aller drei Endocannabinoide beobachtet, welcher in den Amisulpride-behandelten Patienten nicht beobachtet wurde. Die Forscher konnten außerdem eine statistisch signifikante Assoziation zwischen der Erhöhung des Endocannabinoids Anandamid und der Verbesserung psychotischer Symptome feststellen. Diese positive Korrelation deutet daraufhin, dass die ursprüngliche Hypothese der Forscher – dass CBD aufgrund der Erhöhung von Anandamid zur Milderung psychischer Symptome führt – zutreffen könnte. Mit Blick auf diese Ergebnisse klingt es banal, doch die Frage warum genau CBD eine antipsychotische Wirkung auf Menschen hat, ist noch nicht geklärt – auch nicht mit dieser Studie.

Die biochemische Wirkung von CBD ist so vielfältig, dass es fast unmöglich ist, einen bestimmten beobachteten Effekt einem bestimmen Wirkmechanismus von CBD zuzuschreiben. Doch egal warum genau CBD nun eine antipsychotische Wirkung hat, die Tatsache, dass es mit einem etablierten Antipsychotikum bei der Behandlung von Schizophrenie Patienten mithalten konnte ist beachtlich. Aus meiner Sicht unterstreicht diese Studie zwei Zentrale Argumente der Cannabis Befürworter – nämlich einerseits, dass das Potential von Cannabinoiden immer noch stark unterschätzt wird, und andererseits, dass nach wie vor zu wenig Forschung betrieben wird, um deren Wirkung medizinisch und biochemisch richtig zu verstehen.

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