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THC-P: Hoch potent oder höchst gefährlich?

THC-P: Hoch potent oder höchst gefährlich?
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144 – das ist die Zahl der bisher nachgewiesenen Phytocannabinoide, und mit Sicherheit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Obwohl man über die meisten dieser Stoffe und ihr Potential noch wenig weiß, liegt der Fokus der Forschung vor allem auch auf “neuen” Cannabinoiden. Und genau so Eins wurde von einigen italienischen Forschern Ende 2019 entdeckt. Da THC-P momentan hyped, sehen wir uns genauer an, was die Forscher vor gut zwei Jahren herausgefunden haben.

Stärker als THC Delta 9

Bei der Untersuchung eines Strains auf sein Cannabinoidprofil, welches gemeinsam mit dem Terpenprofil charakteristisch für eine Cannabissorte ist, haben italienische Forscher im Jahr 2019 ein neues Cannabinoid entdeckt – das THC-P; und auch das entsprechende Homolog, das CBD-P ist ihnen anschließend ins Netz gegangen. In ihren in vitro Studien an Zellkulturen machten die Forscher eine interessante Entdeckung – TCH-P bindet, genau wie THC, an den CB1-Rezeptor, nur dass das THC-P offenbar ein Vollantagonist ist, während THC nur eine relativ geringe Affinität aufweist. Je stärker ein Stoff an einen Rezeptor bindet, desto stärker wird er aktiviert, was bedeuten könnte, dass THC-P eine deutlich stärkere Wirkung als sein altbekannter Bruder aufweist, da es am Rezeptor ganze 33 Mal aktiver ist.

Cannabimimetisch ist hier das Zauberwort, das beschreibt, wie sehr ein noch unerforschter Stoff der Wirkung von Cannabis ähnelt, und hier hat der Proband seine Referenz übertroffen. Da beide an denselben Rezeptor binden, wird davon ausgegangen, dass die Wirkweise ähnlich ist; der Rausch also vergleichbar. Die Wirkung auf den Körper wurde an Mäusen getestet, und festgestellt, dass eine Schmerzlinderung, eine Beruhigung der Darmtätigkeit und eine leicht gesunkene Körpertemperatur die Folgen der Gabe von THC-P waren, und sich von der denen von THC in nichts unterschieden. Allerdings wurden in der Studie nur die Cannabinoidrezeptoren und damit im Zusammenhang zu erwartende Wirkungen untersucht; sollte THC-P so ein Tausendsassa wie das CBD sein, könnte es an die unterschiedlichsten Rezeptoren binden (sogar an den für das Serotonin), und damit auch diverse andere Wirkungen haben.

Ist stark gleich gefährlich?

THC-P könnte in Zukunft eventuell für Patienten interessant werden, weil es möglicherweise Bedürfnisse abdeckt, bei denen THC schwächelt. Beim kürzlich gehypten THC-Delta 8 beispielsweise, wurden exakt dieselben Eigenschaften wie bei THC entdeckt, nur hat es eine schwächere psychoaktive Wirkung, was speziell bei der Behandlung von Kindern und Beeinträchtigten Personen von Vorteil sein kann.

Doch es gibt auch Bedenken. Dr, Cecilia J. Hillard vom Medical College of Wisconsin, sorgt sich wegen der Nebenwirkungen. Prinzipiell sei die Studie gut aufgebaut, sagt sie, doch sie hätte sich gewünscht, dass beide Stoffe direkt verglichen worden wären. Das sei wichtig, denn während THC wegen seiner geringen Rezeptoraffinität als recht sicher gilt, könnte es problematisch werden, wenn Strains mit einem hohen THC-P Gehalt gezüchtet würden. THC-P sei ein Vollantagonist, genau wie die synthetische Droge Spice; deren künstliche Cannabinoide den CB1-Rezeptor so stark aktivieren, dass es zu heftigen bis lebensbedrohlichen Nebenwirkungen kommen kann. Diese schließen auch Psychosen und eine starke Abhängigkeit ein, weshalb weitere Forschung so elementar ist.

Dr. Samuel Banister von der University of Sydney dagegen, hält die Sorgen von Frau Dr. Hillard für unbegründet. Da THC-P in so signifikant kleineren Mengen in der Pflanze vorkommt als THC, könne das nicht problematisch sein. Vielleicht hat er vergessen, dass wir die gute alte Cannabis Sativa innerhalb von 50 Jahre von einem THC Gehalt von 8-15%, auf einen Gehalt von bis zu 40% gezüchtet haben.

Interessant ist jedenfalls, dass Forscher in Betracht ziehen, dass es die ganzen Jahre nicht das THC Delta 9 war, dass und unseren Rausch beschert hat, sondern vorrangig das THC-P… wer weiß.

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