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Tripsitting – Wie man Freunden bei einem Bad Trip richtig beisteht

Tripsitting – Wie man Freunden bei einem Bad Trip richtig beisteht
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Die meisten Drogen sind in Deutschland verboten, beziehungsweise zumindest rezeptpflichtig. Dennoch haben viele bereits erlebt, wie ein Freund auf einer Party mal etwas einwirft, vielleicht sogar selbst etwas nimmt. Immerhin sind Drug User weder eine kleine, noch eine homogene Gruppe, und so ist zumindest indirekter Kontakt, selbst zu harten Drogen, beim besten Willen kein unwahrscheinliches Szenario. Dabei kann es passieren, dass ein Trip – etwa bei MDMA, LSD oder psychoaktiven Pilzen – so richtig schief läuft. Falls ihr mal mit Freunden in eine solche Situation kommt, haben wir für euch recherchiert, wie man andere während eines Horrortrips sinnvoll unterstützen kann, damit ihr alle die Erfahrung unbeschadet übersteht.

Ruhe bewahren, Ruhe erzeugen

Wer jemandem mit einer negativen Triperfahrung helfen möchte, sollte Trips zunächst verstehen. Dazu ist wichtig zu bedenken, dass es keine zwei gleichen Trips gibt: Jede psychedelische Erfahrung ist in ihrer Ausprägung und ihrem Verlauf einzigartig. Viele nehmen sie als eine Art Geschichte wahr, mit einem individuellen Handlungsverlauf, vielen Plot Twists und ungewissem Ausgang. Häufig ist eine solche Erfahrung schön und interessant, vielleicht gar erleuchtend, jedoch kann bereits ein kleiner Twist in eine Negativspirale führen, die es dann zu durchbrechen gilt. Kommt es zu einem Bad Trip, ist zuallererst die Situation zu erfassen. Welche Eindrücke haben zu dem Bad Trip geführt? Sind die Lichtverhältnisse zu hell oder dunkel? Ist die Musik zu laut? Nach Möglichkeit sollte das Setting dann angepasst werden, möglicherweise auch durch einen Ortswechsel.  Zunächst ist wichtig, dass der oder die Betroffene sich nicht alleine fühlt, aber auch nicht eingeengt. Wurden unliebsame Erinnerungen geweckt? Dabei ist auf den Trippenden mit Umsicht und Verständnis zu reagieren, ohne jeglichen Stress zu erzeugen. Dann gilt es, ohne Druck oder Befehlston ein Gefühl der Geborgenheit zu erzeugen, etwa durch zuhören oder auch durch Körperkontakt. Wichtig ist jedoch, dass die Grenzen des Schützlings nicht strapaziert werden. Ist kein Körperkontakt gewünscht, darf auch keiner hergestellt werden.

Was auch immer die Person sagt oder tut, ist übrigens nicht persönlich zu nehmen. Unter Umständen nimmt er oder sie die angebotene Hilfe als Bedrohung wahr. Besonders dann sind Geduld und Empathie an den Tag zu legen.

Das richtige Setting gibt Sicherheit

Viele verschiedene Menschen nehmen Drogen an vielen verschiedenen Orten, denn verschiedene Orte bieten verschiedene Erfahrungen, und so ist für viele ein Strand in Thailand attraktiver, als das traute Heim, auch zur Erkundung unter Einfluss. Wer würde auch nicht gerne mal mit kindlicher Neugier Glühwürmchen nachjagen und die Füße im Sand vergraben? Gewohnte Umgebungen, insbesondere geschlossene Räume, bieten jedoch einen entscheidenden Vorteil: Wenn die Stimmung umschlägt und der Trip bergab geht, kann bereits ein sicherer Ort ohne Übermaß an fremden Eindrücken sehr beruhigend wirken.

Das heimische Wohnzimmer ist wahrscheinlich einer der besten und sichersten Orte für einen Trip, zumindest aber sollte ein sicherer und reizarmer Raum in der Nähe zur Verfügung stellen. Dieser sollte nach Möglichkeit weder heiß noch kalt sein, und etwaige Eindrücke der Außenwelt ein wenig abschirmen, ohne laute Geräusche oder Musik, sowie auch ohne unnötige Gerüche und Lichteffekte. Bei vielen Festivals gibt es hierfür gesonderte Zufluchtsorte, häufig auch mit geschultem Personal.

Pauschalisieren lässt sich das richtige Setting nicht, denn ein Bad Trip kann theoretisch immer und überall auftreten, und das Ziel einer psychedelischen Drogenerfahrung ist für viele, etwas völlig neues und unbekanntes zu erleben. In jedem Fall sollte bei unerfahrenen Nutzern aber ein erfahrener und nüchterner Tripsitter anwesend sein, und die Weitläufigkeit des Geländes sollte im Verhältnis zur Erfahrung des Sitters stehen, um zu vermeiden, dass zu irgendeinem Zeitpunkt jemand orientierungslos und unbeaufsichtigt umherirrt.

Rettungsleine und Fallschirm bereithalten

Sollte das Ziel sein, den Trip wegen eines Horrortrips vorzeitig zu beenden, muss dies mit Vorsicht getan werden. Auf keinen Fall solltet ihr die betroffene Person plötzlich aus ihrer Trance reißen. Die Zwar kann und sollte man auf verschiedene Weisen Unterstützung anbieten, die Wirkung muss jedoch mehr oder minder von selbst abklingen, um unnötige Verwirrung der tatsächlichen mit der erlebten Realität zu vermeiden. Um dies zu beschleunigen, setzen viele auf kohlehydratreiche Snacks, wie etwa Gummibärchen oder Chips. Eine weitere, wohl recht zuverlässige Methode ist die Zunahme einer Tran- oder Fischölkapsel, bei gleichzeitigem Zerdrücken eines Traubenzuckerstücks am Gaumen. Der Traubenzucker und die Kapsel lösen sich dann etwa zeitgleich auf, und üben eine stabilisierende Wirkung auf den Kreislauf aus, was nach wenigen Minuten zu einem sicheren und natürlichen Ende des Trips und einer Rückkehr der geistigen Anwesenheit führt.

Des Weiteren kann auch eine Decke über den „Reisenden“ gelegt werden, um diesem Geborgenheit zu suggerieren, und ihn gegen Kälte und negative Sinnesreizungen abzuschirmen.

Bevor jemand ernsthaft zu Schaden kommt, sollte im Zweifel übrigens lieber zum Hörer gegriffen und 112 gewählt werden. Ein gutes Gewissen und die Gesundheit eines Mitmenschen sind dann auch ein paar unangenehme Fragen wert.

Titelbild © StockPhotoPro – stock.adobe.com

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