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Kiffer-Tourismus: Cannabis in Marokko

Kiffer-Tourismus: Cannabis in Marokko
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Endlich ist es wieder so weit, der Sommer steht vor der Tür. Wer nun bei den ersten zarten Sonnen geküssten Abenden im Park gedanklich bereits in der nächsten Urlaubsplanung steckt, der sollte – sofern er auf sein liebstes Hobby nicht verzichten mag – allerdings schon bei der Auswahl des Reiseziels darauf achten, wie es in dem Land der Begierde um die Kifferei steht. Denn der Joint, der hierzulande bei minderer Menge oft nur mit einem kleinen Denkzettel geahndet wird, könnte euch in manchen Destinationen sogar das Leben kosten.

„Kiff“ in Marokko – verboten und doch allgegenwärtig

Marokko, das Königreich in Nordafrika, galt über Jahrzehnte hinweg als der größte Cannabis-Produzent weltweit, bis es vor einigen Jahren von Afghanistan überholt wurde. Trotzdem spült der Anbau und Handel auch heute noch mehr Geld in die Kassen als der Tourismus. Um sich die Ausmaße mal besser vorstellen zu können: 2013 stammten 65 % des weltweit konsumierten Haschischs aus Marokko! Darum wird man bei seinem Urlaub in Marokko schnell auf zwei Dinge aufmerksam. Der Pfefferminztee gehört hier einfach zum Alltag jedes Marokkaners und man bekommt ihn quasi an jeder Ecke. Doch auch Cannabis, das hier fast ausschließlich als Hasch konsumiert wird, bekommt man überall offen angeboten. Und das obwohl dort Konsum und Kommerz mit dem heiß begehrten Grünen Kraut mindestens genauso strafbar ist wie bei uns in Deutschland.

High statt betrunken

Nichtsdestotrotz lieben die Marokkaner ihr „Kiff“ und dementsprechend groß ist auch Angebot und Nachfrage im eigenen Land. In dem zum größten Teil muslimisch geprägten Fleckchen Erde ist der Konsum von Alkohol zudem aus religiöser Sicht verboten und die wenigen Verkaufsstellen unterliegen strickten Einlasskontrollen. Keine Sorge, als Touri müsst ihr hier allerdings nicht auf euer Sundowner-Bierchen verzichten. Lediglich auf offener Straße solltet ihr damit nicht zu provokativ damit hantieren. 

Kaufe nicht beim Erstbesten und verhandle! 

Um euch was zu Rauchen aufzustellen braucht ihr hier allerdings wirklich nicht länger als einen Wimperschlag, ihr werdet quasi mit Offerten überschüttet. Daher empfiehlt sich auch besonderes Augenmerk auf die Qualität der angebotenen Ware zu werfen. Das Touri-Hasch wird hier nämlich gerne mal mit Henna-Farbe gestreckt und die gehört maximal auf eure Haut, hat jedoch in eurer Lunge nichts zu suchen! Ein Indikator dafür wäre eine deutlich schwärzere und stark klebrige Masse. Wer hingegen ein paar Händler abklappert kann sich auf feinstes Hasch aus den zerklüfteten Rif-Bergen im Norden Marokkos freuen. Die Preise für’s feine Braune steigen, je weiter südlich ihr ins Landesinnere vordringt. Denn als Exportware verpackt, können die Schleuser einfach deutlich höhere Margen erzielen. Das wird dann meistens auf Schnellboten und bei Nacht und Nebel über die Straße von Gibraltar auf spanisches Festland verschifft, statt die durch zahlreiche geschmierte Beamte, „teurere“ Route durch’s Landesinnere zu nehmen. Und keine falsche Scheu beim Erwerb, verhandeln gehört hier zum guten Ton. Nur ganz blauäugige Touristen zahlen mehr als 30% des zuerst genannten Preises.

Anbau mit Schmiergeldern

Rund 80.000 Familien leben hier im Gebirge vom Cannabis-Anbau. Und die kann man schon aus weiter Entfernung hören, denn die getrocknete Ernte wird hier meist direkt zu Haschisch verarbeitet, und zwar durch das Abschlagen der Hanfdrüsen und das folgende Pressen. Zwar lassen die Verfolgungsbehörden ihre Felder größtenteils in Ruhe, aber die Cannabis-Bauern selbst sehen sich der ständigen Gefahr einer Festnahme – oder, für viele noch schlimmer – Schutzgeldzahlungen an die örtliche Polizei ausgesetzt. Denn auch wenn schon seit Jahrhunderten in den Bergen Marokkos der Gras-Anbau floriert, wurde er, seitdem das Land 1957 Unabhängigkeit erlangte, verboten. Knappe 20 Jahre später folgte dann das totale Verbot von jeglichen Drogen, doch der Cannabisanbau an sich wurde trotzdem eher in Ruhe gelassen. Zu hoch sind die Einnahmen, die das Land durch den Verkauf erzielt. Dennoch, saßen oder sitzen rund und 15.000 der Cannabisbauern gerade im Gefängnis, weitere 30.000 sind zur Fahndung ausgeschrieben.

Cannabis-Farm als Goldgrube?

Weit gefehlt! Denn wer jetzt annimmt, dass bei diesem Output die Cannabis-Bauern in Geld schwimmen müssten, der irrt sich gewaltig. Gerade einmal lumpige 7 Euro bekommen sie pro Kilo (!) und verdienen somit im Schnitt grade einmal einen bei uns üblichen Monatslohn im ganzen Jahr. Für’s gleiche Geld bekommt man bei uns vielerorts nicht mal ein Gramm. Im letzten Jahr passierte dann hinsichtlich des Strafmaßes für Marihuana-Delikte etwas sehr Ungewöhnliches für ein muslimisches Land. Es wurde ein Gesetzesentwurf vorgestellt, durch welchen zumindest medizinisches Cannabis legalisiert werden soll. Zwar soll auch dann der Freizeit-Konsum von Cannabis noch weiterhin unter Strafe stellen, allerdings könne so der Anbau legalisiert werden. Und wer würde sich um den Anbau kümmern? Natürlich der Staat. Cannabis könnte dann sowohl für medizinische Zwecke, als auch für industrielle Zwecke, zum Beispiel für Textilien oder Papier genutzt werden und auch ein globales Exportmodell wäre so vorstellbar. Allerdings ist die Regierungspartei sehr konservativ eingestellt und protestiert heftig gegen die Vorschläge der Opposition. Und selbst die Bauern stehen dem Gesetzesentwurf skeptisch gegenüber, denn sie bezweifeln, dass sich ihre Lage dadurch wesentlich verbessern würde.

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