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Keine Gnade für Tobias Gill – 84 Tage Gefängnis für einen Joint!

Keine Gnade für Tobias Gill – 84 Tage Gefängnis für einen Joint!
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Das Gesundheitsministerium betonte noch vor gut einer Woche, dass Cannabis-Konsumenten grundsätzlich nicht kriminalisiert werden. Der Konsum sei nicht strafbar und erst wenn eine Gefahr der Weitergabe bestünde, wäre eine Strafverfolgung vorgesehen. Diese Auffassung teilt die Münchner Justiz offenbar nicht. Tobias Gill (selbstständiger Unternehmensberater) rauchte Mitte letzten Jahres einen Joint auf offener Straße und wurde dabei von einem Zivilpolizisten erwischt und abgeführt. Der Strafbefehl für seinen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz lautete: 120 Tagessätze a 80 € also insgesamt 9.600 € – Vorstrafe inklusive. Tobias Gill zahlte 3.000 € und stellte ein Gnadengesuch, um seine Strafe in Sozialstunden umzuwandeln. Diese wollte er bei der Grünen Hilfe e.V. im Hanfmuseum ableisten.

Grüne Hilfe e.V. war der Staatsanwaltschaft wohl nicht sozial genug

Die Staatsanwaltschaft bewilligte vorerst die Umwandlung seiner Strafe in 504 Sozialstunden im Hanfmuseum. Nachdem der Fall dann durch die Presse ging wurde das Gnadengesuch ohne Angabe von Gründen widerrufen. Die Staatsanwaltschaft fand es wohl nicht so witzig, dass ein “schwerkrimineller Kiffer”seine Strafe jetzt auch noch in einem “Kifferverein” ableistet. Die Reststrafe von 84 Tagen soll Tobias Gill deshalb jetzt im Gefängnis absitzen.

Tobias Gill ist anerkannter Schmerzpatient

Doch dem nicht genug. Unter normalen Umständen wäre diese Strafe schon absurd. Allerdings ist Tobias Gill kein „normaler Kiffer“, sondern tatsächlich Patient, der Cannabis unter anderem auch zur Linderung seiner chronischen Rückenschmerzen konsumiert. Zum Tatzeitpunkt hatte er noch kein Rezept, handelte allerdings bereits auf Anraten seines Arztes. Wenige Stunden nach dem Vorfall, wurde ihm ein Rezept für 60 Gramm Cannabis pro Monat ausgestellt.

Auch soziale Umstände sollten in ein Urteil miteinfließen

Tobias Gill kümmert sich mehrere Stunden am Tag um seine schwerkranke und bettlägerige Mutter. Er lebt derzeit von Pflegegeld, nachdem ihm durch diesen Vorfall und die mediale Aufmerksamkeit ca. 90% seiner Kunden abgesprungen sind. Wer will denn schon mit einem bundesweit bekannten und schwerkriminellen Kiffer zusammenarbeiten? Das Urteil ist nicht nur für Tobias Gill eine unverhältnismäßig harte Strafe, sondern auch für seine Mutter und seine berufstätige Schwester. Sie müsste die Pflege alleine übernehmen, während er sinnlos in einer Zelle sitzt.

In Bayern kann man für Cannabiskonsum ins Gefängnis gehen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bayern in seiner Rechtssprechung wieder einmal den Vogel abgeschossen hat. Ein Mann mit gesundheitlichen Problemen, der sich um seine schwerkranke Mutter kümmert, beschafft sich seine Medizin illegal auf dem Schwarzmarkt. Die Folge ist ein Urteil, das darauf abzielt, sämtliche Lebensbereiche zu torpedieren.

Wir bedanken uns bei Tobias Gill für das Interview und seinen Mut, sich nicht von den mehr als fragwürdigen Methoden der Bayerischen Staatsanwaltschaft einschüchtern zu lassen. Unterstützt seine Petition „Stoppt die Strafverfolgung von Cannabis“ auf change.org.

Hier das vollständige Interview mit Tobias Gill:

Hier im Weedo Forum könnt Ihr Eure Fragen direkt an Tobias Gill stellen. Wir freuen uns auf eine anregende Diskussion und vielleicht ein paar konstruktive Lösungsvorschlage

Kommentar(5)

  1. gehört Bayern wirklich zu Deutschland? hab mich bei einer Verkehrskontrolle mit den Polizisten unterhalten. Handel und Besitz von Cannabis sind illegal, Konsum ist erlaubt! oder gibts in Bayern andere Gesetze?

  2. Die Sache ist doch eigentlich ganz einfach: Banden, die gewerbsmäßig Fahrräder und Autos klauen und Mafia-Clans lässt man in Ruhe, NoGo-Areas meidet man, schließlich will sich keiner eine blutige Nase holen. Ebenso bemüht ist der Staatsanwalt, alle Anzeigen gegen gewalttätige Lehrer, Kinderheimerzieher und Psychiatriemitarbeiter möglichst schnell in den Papierkorb zu befördern. Die volle Härte setzt der Staat lieber gegen Leute ein, die niemandem etwas zu leide tun: Kiffer, Schwänzer, Hartzies. Da können die Beamten gefahrlos Handlungsfähigkeit des Staates demonstrieren. Blöd natürlich für die Beamten, dass es immer weniger Randgruppen gibt, an denen sie sich noch vergreifen dürfen. Homosexuelle und Juden sind als Sündenböcke ja ausgefallen.

  3. Doch klar das selbe wie in ganz Deutschland aber in Bayern gilt schon nur den joint in der Hand zu halten als Besitz das ist eine Frau Zone zwar ist der Konsum legal doch hält man den joint in der Hand schon gilt es als Besitz nur wie soll man konsumieren ohne den joint oder was auch immer zu halten das ist das dumme Bayern furchbar

  4. Es ist echt übel, was die mit Tobias anstellen.
    Ist evt. vorgesehen oder möglich eine Spendensammelaktion zu initiieren, damit wir uns an den Anwalts- und Verfahrenskosten beteiligen können?
    Theoretisch angenommen jeder Kiffer spendet 5 Euro, dann müßte doch der Betrag für das ganze abstruse Verfahren recht schnell zusammenkommen, oder?
    In diesem Fall wäre ja nicht nur Tobias selbst damit geholfen, sondern allen Kiffern. Die Verfahrenskosten steigen ja noch, wenn es wirklich bis zum Bundesverfassungsgericht geht…

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